Die 5 besten Viertel von Granada


Granada ist eine Stadt, die von ihrer kulturellen Vielfalt lebt. Einst das letzte islamische Emirat auf der Iberischen Halbinsel, war es die Heimat von Arabern, Juden, Tamazight-Stämmen aus Nordafrika, Roma-Familien und schließlich den Katholiken aus Kastilien und Aragon. Sie alle haben Architektur und Lebensart in der Stadt sichtbar geprägt. Je nach Ortsteil zeigen sich dabei andere Feinheiten. In diesen 5 Vierteln von Granada lässt sich das Kulturerbe am besten kennenlernen:

Alhambra

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Centro/Catedral

Die meisten Stadtrundgänge starten im Zentrum von Granada, also rund um die imposante Kathedrale. Die Kirche selbst geht bis auf die Zeit der katholischen Reconquista zurück. Nach dem Fall des muslimischen Emirats im Jahr 1442 und dem Tod von Ferdinand II. 1516 wurde hier eine kleine Kapelle errichtet, die einige Jahre später erweitert wurde. Das Gebäude wurde, wie das bei religiöser Repräsentativarchitektur so ist, erst 180 Jahre später vollendet. Bis heute begeistert es die Besucher mit den kunstvoll dekorierten Wänden, der hohen Kuppel, zwei barocken Orgeln sowie dem 57 m hohen Turm.

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(Kathedrale von Granada und Plaza de las Pasiegas, Quelle: Ingo Mehling, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Vor der Kathedrale breitet sich ein sonniger Platz aus, die Plaza de las Pasiegas. Sie lädt dazu ein, sich auf einen Kaffee und frische Tapas niederzulassen. Sehr empfehlenswert ist hier das Croquette-Restaurant Rollo, das viele leckere Spezialitäten, vor allem gefüllte Kroketten, im Angebot hat. Du kannst dich an die Tische oder auf die Stufen hinauf zur Kathedrale hin setzen. Für Entdecker gibt es in den schmalen Gassen viel zu sehen. Kleine Geschäfte und Cafés befinden sich hier. Nach einiger Zeit kommt man unwillkürlich zum Bib-Rambla, einst Teil des muslimischen Basars und heute ein weitläufiger Platz, der für christliche Prozessionen genutzt wird.

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(Plaza de Bib-Rambla, Quelle: Martin Furtschegger, Wikimedia, CC BY 3.0)

Heute ist Bib-Rambla ein berühmter Treffpunkt für Reisende und Einheimische. Es gibt eine große Auswahl an Restaurants mit spanischem, vor allem andalusischem Essen hier. Am besten ist es, in den kleinen Bars Wein zu bestellen und kostenlos Tapas dazu zu bekommen. Mein persönlicher Favorit am Bib-Rambla in Granada ist Los Diamantes, wo man angenehm locker sitzen und die Getränke mit Snacks genießen kann.

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(Calle Alcaiceria, Foto: Markus Müller)

Südlich der Kathedrale macht es Spaß, auf der Calle Alcaiceria zu flanieren und sich in den vielen Shops lokale Souvenirs zu sichern, von Magneten bis hin zu Kastagnetten. Eine weitere Gasse, die Calle Oficios, führt zurück zur Hauptstraße und passiert dabei den Palacio de la Madraza. Dieses Wunderwerk der maurischen Baukunst war einst eine Islamschule unter den Nasriden. Heute ist es Teil der Universität von Granada und begeistert nach wie vor mit detaillierten Ornamenten.

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(Palacio de la Madraza, Quelle: José Luis Filpo Cabana, Wikimedia, CC BY 4.0)

Wirf unbedingt einen Blick ins Innere der alten Madraza de Granada, um den kunstvoll gestalteten Gebetsraum der Nasriden mit der geschmückten Mihrab-Nische zu bewundern. Die Hufeisen-Bögen, die marmorne Decke und die Arabesken bilden einen eindrucksvollen Kontrast zu den sonst barock gestalteten Fassaden im Zentrum von Granada.

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(Mercado San Agustín, Foto: Markus Müller)

Falls diese Attraktionen im Zentrum von Granada rund um die Kathedrale noch nicht genug sind, dann ist ein Abstecher zu den modernen Geschäften auf der Calle Mesones sinnvoll. Dort gibt es auch etliche Bars und Clubs für wild durchtanzte Nächte. Die meisten dieser Orte sind bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Für ein spätes Frühstück oder Mittagessen nach der Party bietet sich dann die Markthalle San Agustín an. Unter deren Dach findet man frische Meeresspeisen, iberischen Käse und feinen Jamón. Man kann sogar die Zutaten fürs Essen kaufen und sie sich in einem der Restaurants vor Ort zubereiten lassen.

Östlich der Gran Via de Colón/Calle Elvira

Die östliche Seite der Gran Via de Colón sieht gleich ganz anders aus als das katholisch geprägte Zentrum. Du triffst hier auf zahlreiche arabische Fast-Food-Orte und orientalisch gestaltete nordafrikanische Restaurants. Auf der Calle Elvira bieten die Gaststätten so umfangreiche 3- bis 4-Gang-Menüs mit marokkanischen Spezialitäten an. Das Ganze startet mit Vorspeisen wie Hummus und Babaghanoush und erreicht seinen Höhepunkt mit Rindfleisch-Tagines oder gegrilltem Huhn auf Couscous.

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(Moroccan Tagine, Quelle: BBouchra00, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Die Arabesken-Dekoration im Inneren von Restaurants wie der Teteria Riad Elvira ist ein Grund dafür, warum man sich hier einen Platz sichern sollte. Du wirst atmosphärisch in die Zeit des alten Emirats oder direkt in die marokkanische Kultur hinein teleportiert. Gaststätten dieser Art könnten in dieser Art auch in Chefchaouen oder Tétouan existieren, genau den nordafrikanischen Städten, in welche die Elite von Al-Andalus einst geflüchtet ist.

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(Im Restaurant Teteria Riad Elvira, Foto: Markus Müller)

Wenn du dich von der Calle Elvira weiter nach Osten bewegst, taucht plötzlich die Calle Caldereria Nueva mit ihren Souvenirshops auf. Hier wird vor allem arabisches Kunsthandwerk verkauft, z. B. bunte Fanous-Lampen, marokkanische Pullover und Pyjama-Hosen.

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(Calle Elvira, Quelle: Curimedia, Wikimedia, CC BY 2.0)

Alhambra

Granada

(Blick auf die Alhambra-Burg, Foto: Markus Müller)

Auch wenn die Alhambra selbst kein wirkliches Viertel ist, darf die Festung dennoch als die wichtigste Sehenswürdigkeit in Granada gelten. Sie war einst das politische und kulturelle Zentrum des Emirats Al-Andalus und begeistert bis heute mit ihrer schieren Größe sowie den detailreichen Designs. Die Arabesken wurden vor mehr als 700 Jahren gestaltet und von den Wehrmauern eröffnet sich dir ein traumhafter Blick über das Stadtzentrum sowie die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada.

Alhambra Castle

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Alhambra Castle

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Um die komplette Alhambra zu erkunden, braucht man etwa 4 bis 6 Stunden. Du musst vorab ein Ticket online buchen und wirst sehr wahrscheinlich mit dem Nasriden-Palast beginnen. Dieser Bereich wurde nach der Dynastie benannt, die vom 13. bis zum späten 15. Jahrhundert in Granada herrschte. Der Palast gehört zu den absoluten Meisterwerken der maurischen Architektur in Andalusien, bekannt u. a. für die eindrucksvollen Schnitzereien, filigranen Stuck und die kleinen Wasserläufe, die Orangenbäume und Zypressen zum Wachsen verhelfen.

Nasrid Palace

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Nasrid

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Nasrid

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Denk daran, die Tickets für die Alhambra zeitig genug auf der Alhambra-Website zu reservieren. Am besten schaust du schon zwei Wochen vorher nach, um auch sicher einen Slot zu bekommen. Speziell für den Nasridenpalast musst du dir ein spezifisches Zeitfenster aussuchen. Für diesen Teil des Besuchs solltest du dabei pünktlich am Eingang sein. Für andere Bereiche wie Alcazaba und Generalife hast du dann den ganzen Tag Zeit.

Generalife

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Generalife Palace

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Alhambra Granada

(Alhambra, Foto: Markus Müller)

Ich empfehle übrigens, vorher etwas zu essen oder ein paar Snacks in den Palast mitzunehmen. Vor der Alcazaba-Festung gibt es zwar kleinere Stände, diese verkaufen aber vor allem überteuerte Jamón-Sandwiches, Bier und Kaffee. Außerdem gibt es keine Tische und Stühle. Man muss also auf den kühlen Mauern Platz nehmen und dort seine Speisen verzehren. Gerade in der Wintersaison kein wirkliches Vergnügen.

Albaicín

Albaicín ist das älteste Viertel von Granada, eine Nachbarschaft, die mit den am der Alhambra gegenüberliegenden Berg hinauf wachsenden malerischen Gassen begeistert. Anders als das renaissancistische und barocke Zentrum ist Albaicín von arabischen urbanen Strukturen geprägt. Die labyrinthisch angeordneten Wege führen dabei immer wieder zu versteckten Plazas und bezaubernden kleinen Cafés oder Tavernen.

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(Albaicín, Foto: Markus Müller)

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(Quelle: Martin Furtschegger, Wikimedia, CC BY 3.0)

Am höchsten Punkt von Albaicín findest du ein paar spektakuläre Miradores, wie die Aussichtspunkte auf Spanisch genannt werden. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Mirador de San Nicolás neben der gleichnamigen Kapelle. Auf dem Platz davor treffen Touristen auf Straßenmusiker und einheimische Teenager, die ihre selbst mitgebrachten Drinks auf den Mauern sitzend schlürfen. Wer sparen will, kann es ihnen gleich tun, denn Platz ist genug.

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(Mirador de San Nicolás, Foto: Markus Müller)

Vom Aussichtspunkt San Nicolás hat man übrigens einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Alhambra auf der anderen Seite des Tals. Der Ort ist perfekt für ein Foto von der Burg zusammen mit den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund. Es gibt außerdem ein paar kleine Bars und Gaststätten in der Nähe. Für die Nutzung der exklusiven Terrassen wie von El Huerto de Juan Ranas oder El Balcón verlangen die Betreiber aber einen ordentlichen Aufschlag: Getränke und Essen sind alles andere als günstig hier.

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(Blick vom Mirador de San Nicolás zur Alhambra, Foto: Markus Müller)

Wenn du nicht viel ausgeben, aber auch keinen Supermarktwein im Freien trinken möchtest, dann gehst du am besten etwas weiter in die kleinen Viertel innerhalb von Albaicín hinein. Etwas weiter vom Mirador entfernt gibt es idyllische Plätze mit sehr lokal wirkenden Tavernen wie die Casa Pasteles oder die Bar La Higuera. Eine weitere Option ist es, ganz unten am Fuße des Hügels auf den Restaurantterrassen am Darro-Fluss zu sitzen.

Sacromonte

Sacromonte liegt etwas weiter vom Zentrum entfernt. Eigentlich ist dieses Viertel ein Teil von Albaicín und galt früher als der ärmste Teil von Granada. Als Außenseiter betrachtet, siedelten hier vor allem die Roma-Familien, aber auch Moriscos, also Muslime, die nach der Reconquista in Andalusien geblieben sind.

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(Sacromonte, Foto: Markus Müller)

Unter der spanischen Herrschaft wurden die Roma und Moriscos stark diskriminiert. Vielen von ihnen war es gar nicht gestattet, innerhalb der Stadtmauern zu wohnen. Entsprechend zogen sie vor die Tore, lebten in Höhlen und entwickelten hier ein einzigartiges kulturelles Erbe, das in Form des Flamencos die Welt erobern sollte.

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(Sacromonte, Foto: Markus Müller)

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(Sacromonte, Foto: Markus Müller)

Ich kann insbesondere empfehlen, sich das Sacromonte Höhlenmuseum anzusehen, in dem es einige restaurierte Räume gibt, die ursprünglich von Roma-Familien bewohnt wurden. In der Mitte dieser Höhlen befindet sich stets ein runder Platz, der traditionell für Zeremonien und Feierlichkeiten genutzt wurde. Diese Orte gelten gemeinhin als einer der Ursprünge des Flamenco-Tanzes.

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(Sacromonte, Foto: Markus Müller)

Travel Sacromonte

(Sacromonte, Foto: Markus Müller)

Abgesehen von den Höhlen gibt es in Sacromonte auch schöne Aussichtspunkte in Richtung Alhambra sowie ein paar charmante Restaurants, in denen regelmäßig Flamenco zum Besten gegeben wird. Zum Tanz gibt es natürlich schwere spanische Rotweine und herzhafte Tapas. Ziemlich bekannt ist vor allem die Zambra Maria la Canastera mit regelmäßigen Shows. Ein schönes Performance-Restaurant mit Aussicht ist die Casa Juanillo.