Granada ist eine Stadt, die von ihrer kulturellen Vielfalt lebt. Einst das letzte islamische Emirat auf der Iberischen Halbinsel, war es die Heimat von Arabern, Juden, Tamazight-Stämmen aus Nordafrika, Roma-Familien und schließlich den Katholiken aus Kastilien und Aragon. Sie alle haben Architektur und Lebensart in der Stadt sichtbar geprägt. Je nach Ortsteil zeigen sich dabei andere Feinheiten. In diesen 7 Vierteln von Granada lässt sich das Kulturerbe am besten kennenlernen:

Centro/Catedral
Die meisten Stadtrundgänge starten im Zentrum von Granada, also rund um die imposante Kathedrale. Die Kirche selbst geht bis auf die Zeit der katholischen Reconquista zurück. Nach dem Fall des muslimischen Emirats im Jahr 1442 und dem Tod von Ferdinand II. 1516 wurde hier eine kleine Kapelle errichtet, die einige Jahre später erweitert wurde. Das Gebäude wurde, wie das bei religiöser Repräsentativarchitektur so ist, erst 180 Jahre später vollendet. Bis heute begeistert es die Besucher mit den kunstvoll dekorierten Wänden, der hohen Kuppel, zwei barocken Orgeln sowie dem 57 m hohen Turm.

Vor der Kathedrale breitet sich ein sonniger Platz aus, die Plaza de las Pasiegas. Sie lädt dazu ein, sich auf einen Kaffee und frische Tapas niederzulassen. Sehr empfehlenswert ist das Restaurant La Taberna Desde 1917 mit vorwiegend spanischen Klassikern zu gehobenem Preis. Direkt daneben wird von derselben Betreibergruppe Los Manueles das vegetarische/vegane Lokal UVE betrieben, das vor allem auf kreative Fusionansätze mit asiatischen Nuancen setzt.
Du kannst dich hier an die Tische oder auf die Stufen hinauf zur Kathedrale hinsetzen. Für Entdecker gibt es in den schmalen Gassen viel zu sehen. Kleine Geschäfte und Cafés befinden sich hier. Nach einiger Zeit kommt man unwillkürlich zur Bib-Rambla, einst Teil des muslimischen Basars und heute ein weitläufiger Platz, der für christliche Prozessionen genutzt wird.

Heute ist Bib-Rambla ein berühmter Treffpunkt für Reisende und Einheimische. Es gibt eine große Auswahl an Restaurants mit spanischem, vor allem andalusischem Essen hier. Am besten ist es, in den kleinen Bars Wein zu bestellen und kostenlos Tapas dazuzubekommen. Mein persönlicher Favorit an der Bib-Rambla in Granada ist Los Diamantes, wo man angenehm locker sitzen und die Getränke mit Snacks genießen kann.

Südlich der Kathedrale macht es Spaß, auf der Calle Alcaicería zu flanieren und sich in den vielen Shops lokale Souvenirs zu sichern, von Magneten bis hin zu Kastagnetten. Eine weitere Gasse, die Calle Oficios, führt zurück zur Hauptstraße und passiert dabei den Palacio de la Madraza. Dieses Wunderwerk der maurischen Baukunst war einst eine Islamschule unter den Nasriden. Heute ist es Teil der Universität von Granada und begeistert nach wie vor mit detaillierten Ornamenten.

Wirf unbedingt einen Blick ins Innere der alten Madraza de Granada, um den kunstvoll gestalteten Gebetsraum der Nasriden mit der geschmückten Mihrab-Nische zu bewundern. Die Hufeisenbögen, die marmorne Decke und die Arabesken bilden einen eindrucksvollen Kontrast zu den sonst barock gestalteten Fassaden im Zentrum von Granada.

Falls diese Attraktionen im Zentrum von Granada rund um die Kathedrale noch nicht genug sind, dann ist ein Abstecher zu den modernen Geschäften auf der Calle Mesones sinnvoll. Dort gibt es auch etliche Bars und Clubs für wild durchtanzte Nächte. Die meisten dieser Orte sind bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Für ein spätes Frühstück oder Mittagessen nach der Party bietet sich dann die Markthalle San Agustín an. Unter deren Dach findet man frische Meeresspeisen, iberischen Käse und feinen Jamón. Man kann sogar die Zutaten fürs Essen kaufen und sie sich in einem der Restaurants vor Ort zubereiten lassen.
Calle Elvira & Calle Calderería Nueva
Die östliche Seite der Gran Vía de Colón sieht gleich ganz anders aus als das katholisch geprägte Zentrum. Du triffst hier auf zahlreiche arabische Fast-Food-Orte und orientalisch gestaltete nordafrikanische Restaurants. Auf der Calle Elvira und der den Hügel hinauf führenden Calle Calderería Nueva bieten die Gaststätten so umfangreiche 3- bis 4-Gang-Menüs mit marokkanischen Spezialitäten an. Das Ganze startet mit Vorspeisen wie Hummus und Babaghanoush und erreicht seinen Höhepunkt mit Rindfleisch-Tagines oder gegrilltem Huhn auf Couscous.

Die Arabesken-Dekoration im Inneren von Restaurants wie der Teteria Riad Elvira oder der Teteria Dar Ziryab ist ein Grund dafür, warum man sich hier einen Platz sichern sollte. Du wirst atmosphärisch in die Zeit des alten Emirats oder direkt in die marokkanische Kultur hinein teleportiert. Gaststätten dieser Art könnten in dieser Art auch in Chefchaouen oder Tétouan existieren, genau den nordafrikanischen Städten, in welche die Elite von Al-Andalus einst geflüchtet ist.

Wenn du dich von der Calle Elvira weiter nach Osten bewegst, taucht plötzlich die Calle Calderería Nueva mit ihren Souvenirshops auf. Hier wird vor allem arabisches Kunsthandwerk verkauft, z. B. bunte Fanous-Lampen, marokkanische Pullover und Pyjama-Hosen.

Alhambra

Auch wenn die Alhambra selbst kein wirkliches Viertel ist, darf die Festung dennoch als die wichtigste Sehenswürdigkeit in Granada gelten. Sie war einst das politische und kulturelle Zentrum des Emirats Al-Andalus und begeistert bis heute mit ihrer schieren Größe sowie den detailreichen Designs. Die Arabesken wurden vor mehr als 700 Jahren gestaltet und von den Wehrmauern eröffnet sich dir ein traumhafter Blick über das Stadtzentrum sowie die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada.


Um die komplette Alhambra zu erkunden, braucht man etwa 4 bis 6 Stunden. Du musst vorab ein Ticket online buchen und wirst sehr wahrscheinlich mit dem Nasriden-Palast beginnen. Dieser Bereich wurde nach der Dynastie benannt, die vom 13. bis zum späten 15. Jahrhundert in Granada herrschte. Der Palast gehört zu den absoluten Meisterwerken der maurischen Architektur in Andalusien, bekannt u. a. für die eindrucksvollen Schnitzereien, filigranen Stuck und die kleinen Wasserläufe, die Orangenbäumen und Zypressen zum Wachsen verhelfen.



Denk daran, die Tickets für die Alhambra zeitig genug auf der Alhambra-Website zu reservieren. Am besten schaust du schon zwei Wochen vorher nach, um auch sicher einen Slot zu bekommen. Speziell für den Nasridenpalast musst du dir ein spezifisches Zeitfenster aussuchen. Für diesen Teil des Besuchs solltest du dabei pünktlich am Eingang sein. Für andere Bereiche wie Alcazaba und Generalife hast du dann den ganzen Tag Zeit.



Ich empfehle übrigens, vorher etwas zu essen oder ein paar Snacks in den Palast mitzunehmen. Vor der Alcazaba-Festung gibt es zwar kleinere Stände, diese verkaufen aber vor allem überteuerte Jamón-Sandwiches, Bier und Kaffee. Außerdem gibt es keine Tische und Stühle. Man muss also auf den kühlen Mauern Platz nehmen und dort seine Speisen verzehren. Gerade in der Wintersaison kein wirkliches Vergnügen.
Albaicín
Albaicín ist das älteste Viertel von Granada, eine Nachbarschaft, die mit den am der Alhambra gegenüberliegenden Berg hinaufwachsenden malerischen Gassen begeistert. Anders als das renaissancistische und barocke Zentrum ist Albaicín von arabischen urbanen Strukturen geprägt. Die labyrinthartig angeordneten Wege führen dabei immer wieder zu versteckten Plazas und bezaubernden kleinen Cafés oder Tavernen.


Am höchsten Punkt von Albaicín findest du ein paar spektakuläre Miradores, wie die Aussichtspunkte auf Spanisch genannt werden. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Mirador de San Nicolás neben der gleichnamigen Kapelle. Auf dem Platz davor treffen Touristen auf Straßenmusiker und einheimische Teenager, die ihre selbst mitgebrachten Drinks auf den Mauern sitzend schlürfen. Wer sparen will, kann es ihnen gleich tun, denn Platz ist genug.

Vom Aussichtspunkt San Nicolás hat man übrigens einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Alhambra auf der anderen Seite des Tals. Der Ort ist perfekt für ein Foto von der Burg zusammen mit den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund. Es gibt außerdem ein paar kleine Bars und Gaststätten in der Nähe. Für die Nutzung der exklusiven Terrassen wie von El Huerto de Juan Ranas oder El Balcón verlangen die Betreiber aber einen ordentlichen Aufschlag: Getränke und Essen sind alles andere als günstig hier.

Wenn du nicht viel ausgeben, aber auch keinen Supermarktwein im Freien trinken möchtest, dann gehst du am besten etwas weiter in die kleinen Viertel innerhalb von Albaicín hinein. Etwas weiter vom Mirador entfernt gibt es idyllische Plätze mit sehr lokal wirkenden Tavernen wie die Casa Pasteles oder die Bar La Higuera. Eine weitere Option ist es, ganz unten am Fuße des Hügels auf den Restaurantterrassen am Darro-Fluss zu sitzen.
Eine vielleicht noch spannendere Alternative ist der Mirador San Miguel, der nochmal etwas über San Nicolás liegt. Hier gibt es wesentlich mehr Platz. Wenn die Mauern vor der kleinen Kapelle auf dem Gipfel voll sind, kann man sich auf dem Hang Richtung Sacramonte verteilen und traumhafte Sonnenuntergänge genießen.

Weil es sich um den höchsten Aussichtspunkt in Granada handelt, sieht man außerdem die gesamte Innenstadt, die Alhambra und die Gipfel der Sierra Nevada. Nach oben kommt man übrigens einfach zu Fuß oder mit dem Bus N9.

Realejo
Realejo ist das Viertel, das unmittelbar unterhalb der Alhambra-Burg an den grünen Hängen Granadas nach oben wächst. Es war einst der Bereich, in dem die jüdische Bevölkerung von Al-Andalus lebte. Zu dieser Zeit trug der Bezirk auch noch den Namen Garnata al-Yahud, also das Granada der Juden. Mit der Reconquista wurde auch diese Gruppe nach Nordafrika vertrieben und aus Garnata al-Yahud wurde Realejo, bezogen auf das katholische Königtum.

Bis heute ist das Viertel aber noch von der maurischen Zeit geprägt. Vor allem die verwinkelten Kopfsteinpflastergassen sind ein Indiz dafür. Wer hier umherschlendert, findet etwas mehr Ruhe als in Albaicín oder Centro. Von Zeit zu Zeit erhascht man außerdem einen guten Blick auf die Festungsmauern und die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada.

Das Herz von Realejo ist der Campo del Príncipe, ein lebendiger Platz mit viel Grün und einigen Tapasbars, der von den Spaniern auf den Resten des maurischen Friedhofs errichtet wurde. An den Platz grenzt unmittelbar die Hochschule für Architektur an. Sie ist meines Erachtens ein kleiner Geheimtipp. Man kann ein wenig durch den Studierhof gehen und, wenn man sie findet, preiswertes Bier und Essen in der Cafeteria probieren. Sie ist etwas versteckt im Untergeschoss mit einem Freibereich im Garten gelegen.

Was mir in Realejo im Vergleich zu anderen Vierteln aufgefallen ist, war die Auswahl an vegetarischen Speisen bereits in der Kantine. Auch außerhalb der Architektenschule zeigt sich Realejo recht modern. Abseits von Jamon und Chorizo findet man sogar vegane Restaurants wie El Piano und Hicuri.
Beide Lokale liegen im Bereich um die Plaza del Realejo und die Plaza de Santo Domingo. Beide Orte sind genauso ideal für klassische Tapas. Wer hier nicht nur auf dem kleinen Platz sitzen, sondern noch etwas Kultur konsumieren möchte, besucht das angrenzende Colegio Mayor Santa Cruz la Real mit der überwiegend gotischen Kirche Santo Domingo.

Ein weiteres Merkmal an Realejo sind die vielen Graffitis. Street Art ist in den unteren Bereichen des Viertels allgegenwärtig. Einiges davon habe ich in den kleinen Einfahrten auf der Calle Santiago gefunden. Aber auch in den oberen Lagen mit Blick über die Ziegeldächer hinweg in Richtung Zentrum gibt es eine Reihe an Murals. Diese schmücken die sonst meist komplett weiß verputzten Wände.


Sacromonte
Sacromonte liegt etwas weiter vom Zentrum entfernt. Eigentlich ist dieses Viertel ein Teil von Albaicín und galt früher als der ärmste Teil von Granada. Als Außenseiter betrachtet, siedelten hier vor allem die Roma-Familien, aber auch Moriscos, also Muslime, die nach der Reconquista in Andalusien geblieben sind.

Unter der spanischen Herrschaft wurden die Roma und Moriscos stark diskriminiert. Vielen von ihnen war es gar nicht gestattet, innerhalb der Stadtmauern zu wohnen. Entsprechend zogen sie vor die Tore, lebten in Höhlen und entwickelten hier ein einzigartiges kulturelles Erbe, das in Form des Flamencos die Welt erobern sollte.


Ich kann insbesondere empfehlen, sich das Sacromonte-Höhlenmuseum anzusehen, in dem es einige restaurierte Räume gibt, die ursprünglich von Roma-Familien bewohnt wurden. In der Mitte dieser Höhlen befindet sich stets ein runder Platz, der traditionell für Zeremonien und Feierlichkeiten genutzt wurde. Diese Orte gelten gemeinhin als einer der Ursprünge des Flamenco-Tanzes.


Abgesehen von den Höhlen gibt es in Sacromonte auch schöne Aussichtspunkte in Richtung Alhambra sowie ein paar charmante Restaurants, in denen regelmäßig Flamenco zum Besten gegeben wird. Zum Tanz gibt es natürlich schwere spanische Rotweine und herzhafte Tapas. Ziemlich bekannt ist vor allem die Zambra Maria la Canastera mit regelmäßigen Shows. Ein schönes Performance-Restaurant mit Aussicht ist die Casa Juanillo.
Camino de Ronda
Der Camino de Ronda ist ein Geheimtipp für alle, die etwas preiswerter ausgehen und Tapas auf klassisch lokale Art probieren möchten. Während das Zentrum und die touristischen Viertel unfassbar teuer sind, gibt es hier rund um die Universität wirklich günstige Optionen. Ein kleines Bier kostet meist nur 1 Euro, mit Tapas etwa 1,80 Euro, manchmal auch etwas mehr.

Beginnen kann man seine Entdeckung rund um die Plaza de Gracia, wo Tische und Stühle unter Palmen aufgestellt sind. Von hier ist es dann nicht weit zu verschiedenen Kneipen in Seitenstraßen wie der Calle Martínez Campos. Dort befindet sich das ziemlich günstige Etablissement Las Buenas Juntas. Auf dem Camino de Ronda gibt es vor allem einen Hotspot, die Bar Kimmy, ein Tapas-Lokal, das sich auf asiatische Häppchen wie Gyoza spezialisiert hat.

Wer es etwas spanischer mag, bricht zur Calle Gonzales Gallas direkt neben der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Granada auf. Am Abend ist diese Straße von Tapasbars gesäumt. Besonders beliebt, und das selbst tagsüber, ist die Café Bar Garden, in der viele Studenten vorbeischauen. Voll wird es außerdem bei D’Kanas und in Grifos y Tapas.

Das bekannteste Restaurant ist aber El Peruano, wo es zum Getränk ab 4 Euro ungewöhnlich große Portionen Tapas gibt. Und, wie der Name bereits sagt, sind diese mit einer peruanischen Note versehen.
