Reisen nach Venezuela 2026: Wie ist die Lage im Land nach Maduros Entführung?
Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau am 3. Januar 2026 fragen sich viele Touristen, ob man überhaupt noch ins Land reisen kann. Ist die Lage sicher und wie reagieren die Behörden darauf, wenn Urlauber ankommen? Ich habe es im März 2026 probiert und, was soll ich sagen, mit einigen wenigen Problemen lief alles recht gut.

Einreise nach Venezuela
Für die Einreise nach Venezuela würde ich ganz klar einen Flug empfehlen, da es über den Airport Caracas eher garantiert ist, dass man ins Land kommt. Weil ich aber ohnehin in Kolumbiens Norden war, wollte ich es über die Landgrenze bei Paraguanchón versuchen. Mit entsprechender Vorbereitung hat das sehr gut geklappt. Das Grundprinzip ist es, den Beamten vor Ort zu zeigen, dass die Reise bereits komplett durchgeplant ist. Eine genaue Beschreibung gibt es in meinem Artikel zur Einreise nach Venezuela.

Die wichtigsten Dokumente, die man neben dem Reisepass benötigt, sind vor allem Reservierungen. Die sind zwar nicht immer vorgegeben, helfen aber sehr dabei, die Beamten zu überzeugen. Ich legte dem Chef an der Grenze ausgedruckte Hotelreservierungen für jeden Tag in Venezuela vor, daneben ein Flugticket aus Caracas heraus und eines von Kolumbien zurück nach Europa vor. Nach wenigen Minuten hatte ich den Stempel. Dieser ist für bis zu 90 Tage gültig. US-Amerikaner müssen allerdings noch ein Visum beantragen!

Im Anschluss an die Einstempelung musste ich eine weitere Prüfung und Datenaufnahme beim Geheimdienst SEBIN über mich ergehen lassen. Die Atmosphäre war weitgehend freundlich. Etwas komisch war es aber schon, dass am Ende ein Video aufgenommen werden musste, in dem ich meinen Beruf und meine Pläne im Land erklären sollte.
Diese 4 Tipps sind für die Einreise nach Venezuela wichtig:
- Hotelreservierungen ausgedruckt dabei haben (mindestens für vier Nächte, andernfalls ist keine Einreise möglich)
- Durchorganisiert wirken und am besten für jeden Tag Reservierungen präsentieren können
- Ausreise nachweisen können (Flugtickets, eventuell sogar ins Heimatland)
- US-Staatsbürger brauchen aktuell noch ein Visum; für Europäer ist der Aufenthalt bis zu 90 Tage meist visafrei
Ist es sicher, nach Venezuela zu reisen?
Ja, im Frühjahr 2026 wirkte eine Reise nach Venezuela sehr sicher. Zunächst einmal ist mir aufgefallen, dass es auf den Straßen kaum Kriminalität gab. Entgegen meiner Erwartungen liefen alle offen mit ihren Smartphones auf der Straße herum. Auf Nachfrage wurde mir erzählt, dass es vor ca. 6 Jahren extrem gefährlich gewesen sei. Irgendwann sind die kriminellen Banden aber nach Kolumbien, Peru und Chile emigriert. Seither herrscht in Venezuela Ruhe. Genau das konnte ich im gesamten Land spüren. Es gab viele Horrorgeschichten aus der Vergangenheit, aber ein insgesamt sehr sicheres Gefühl zum Zeitpunkt meiner Reise.
Natürlich gibt es auch politisch bedingte Gefahren, vor allem durch die zeitliche Nähe zur US-Intervention in Caracas Anfang Januar 2026. In den ersten Tagen des Jahres sei es so wegen den Colectivos nicht sehr ratsam gewesen, alleine in bestimmte Viertel zu gehen. Die Colectivos sind Banden, die die chavistische Bewegung unterstützen und kurz nach der Entführung von Maduro für Stress auf den Straßen sorgten. Ihre Aktivität lässt sich immer noch an den vielen Graffitis und Tags in Caracas ablesen.

Im März 2026 war die Lage allerdings nicht mehr so angespannt. Ich habe sogar mehrere Touren nach 23 de Enero unternommen, also in das Viertel in Caracas, das als Hochburg der Colectivos und der chavistischen Bewegung gilt. Ich konnte ungestört die brutalistischen Hochhaussiedlungen und einige Barrios sowie die zahlreichen Chávez-Graffitis fotografieren.

In einige der etwas ärmer wirkenden und mit Schranken abgesperrten sozialistischen Kommunen habe ich mich nicht getraut, es wäre aber sicherlich möglich gewesen. Die sozialistischen Kommunen in den Hochhäusern waren dagegen mühelos betretbar. Es gibt sogar einige Bars, wo man herzlich willkommen geheißen wird. Selbst eine geführte Tour zu Chávez' Grab in 23 de Enero ist erlaubt, allerdings ohne Fotos.

Es gibt aber noch eine andere Gefahr: die Polizei und die bewaffneten Sicherheitskräfte (Geheimdienst, Militär, Drogenfahndung). Ich hatte oft das Gefühl, dass sie die eigentlichen Kriminellen sind. Ständig wird man auf den Straßen angehalten und willkürlich kontrolliert. Privatsphäre zählt nicht. Entweder man wird des Drogenschmuggels verdächtigt oder des Postings kritischer Sachen in sozialen Medien. Am Ende soll aber nur irgendeine Anklage fabriziert werden, mit der man dann Bestechungsgeld verlangen kann. Korruption grassiert und ist ein echtes Problem in Venezuela.
Grundsätzlich haben die Beamten kein Recht, ohne Verdacht auf das Telefon zuzugreifen. Sie fordern es aber immer wieder. Wenn man dann ohne Netz im Nirgendwo ist, wird es schwierig, nein zu sagen. Bestechung ist natürlich ebenfalls verboten und wenn die Anschuldigungen zu absurd klingen, sollte man sich so lange weigern, wie es geht, eventuell mit der Botschaft drohen oder alles filmen. In meinem Fall ging das nur leider nicht, weil alle meine Telefone konfisziert wurden. Die Rechnung der Aktion lag dann bei 20 USD. Es wäre schön gewesen, hätten sie das gleich am Anfang gesagt und nicht für eine Stunde eine Drohkulisse aufgebaut.
Hier gibt es ausführliche Informationen und Fotos zu meinem Besuch im Barrio 23 de Enero.
Wie kommt man in Venezuela an Geld?
Prinzipiell kann man mit internationalen Karten wie Visa Geld am Automaten abheben und auch direkt bezahlen. Letzteres ging in der Realität einfach, ersteres war komplizierter, vor allem außerhalb von Caracas. Zur Sicherheit hatte ich mir daher in Kolumbien noch 250 USD getauscht, was am Ende gerade so gereicht hat. Die meisten Preise werden in REF $ angegeben, also dem referenziellen Gegenwert von Bolívares zu USD. Dazu steht an der Kasse dann der aktuelle bzw. verwendete Kurs. Die offizielle Rate lag Mitte März bei 450 Bolívares Soberanos, auf dem Schwarzmarkt wird dagegen mit 600 Bolívares Soberanos gearbeitet.

Bolívares zu haben, ist grundsätzlich nicht schlecht, die schiere Menge an Scheinen macht das Ganze aber sehr unpraktisch. Ich ließ mir kurz nach der Ankunft 10 USD tauschen und hatte einen ziemlich großen Block an Geld in der Hand. Im Alltag kann man die Scheine ab und zu gebrauchen, sie sind dann aber eben auch sehr schnell weg. Wenn man in Dollar bezahlt, bekommt man meist gemischte Währungen zurück. USD so weit es geht und den Rest in Bolívares.
Weil das Geldsystem so verwirrend ist, nutzen die meisten Venezolaner digitale Zahlungsmethoden, insbesondere den Pago Movíl- und Cashea-Service. Dazu braucht man aber einen Wohnsitz im Land. Ebenso sind Kryptobörsen weit verbreitet, vor allem Binance. Hier wird das Geld in USDT getauscht und gesichert. Darüber kann man dann insgesamt etwas günstiger bezahlen. Einige Male hat mir übrigens auch Remitly weitergeholfen, eine App, über die man gegen Gebühr internationale Banküberweisungen tätigen kann.
Wie hoch sind die Preise in Venezuela?
Die Preise sind nicht ganz so günstig, für westliche Touristen aber sicherlich erschwinglich. Für ein Essen bezahlt man im Schnitt zwischen 8 und 12 USD, z. B. für Patacones in Maracaibo, Arepas, Cachapas und Hamburger im Rest des Landes. Am unteren Ende sind Hotdogs (Perros calientes) und das Essen an den Grillständen etwas preiswerter.

In den Läden fällt auf, dass die preiswertesten Produkte Coca-Cola und Pepsi sind. Im Angebot kommt man hier sogar billiger als mit Wasser. Milch ist um ein Vielfaches teurer. An der Kasse muss man stets eine Registrierung durchführen und seine Cedula, also die ID-Nummer, angeben. Diese besteht aus 8 bis 9 Ziffern, was es bei internationalen Reisepässen mit Buchstaben etwas schwierig macht. Am besten sagt man einfach, „tengo pasaporte de extranjero” und die Bedienung tippt irgendwas ein.

Zu den derzeit gehyptesten Läden gehört übrigens Farmatodo. Die Apothekenkette expandiert und expandiert. Und es handelt sich bei Weitem nicht nur um eine einfache Apotheke. Die Läden sind riesig und haben neben dem Counter mit medizinischen Produkten eigentlich alles, von der Sonnenbrille bis zu den wenig gesunden Süßwaren. Das Beste aber, so meinen derzeit fast alle Venezolaner: Farmatodo ist 24/7 geöffnet und hat faire Preise.

Noch eine wichtige Sache sind die Gepflogenheiten mit dem Trinkgeld. Ähnlich wie in Kolumbien wird das „freiwillige Trinkgeld” (proposed, voluntario, servicio) auf der Rechnung angegeben. Diesen Kostenpunkt muss man nicht bezahlen. In einigen Fällen werden einfach 30 % als Trinkgeld vorgeschlagen. Um die Sache noch verwirrender zu machen, ist die eigentliche Rechnung in US-Dollar und das Trinkgeld in Bolívares notiert. Hier muss also erst ewig umgerechnet werden, um zu verstehen, welchen Betrag man von der Gesamtrechnung abziehen kann.
Reisen im Land – von Trampen über Bus bis Flugzeug
In meinen zwei Wochen in Venezuela Mitte März 2026 habe ich so ziemlich alle Verkehrsmittel ausprobiert. Es fing mit Taxis und Trampen an, ging mit Bussen weiter und endete bei Motorrad-Taxis, Fähren und Fliegern. Insgesamt muss ich sagen, auch wenn ich Kurzstreckenflüge weniger gut finde, waren sie doch die angenehmste Art, in Venezuela zu reisen, einfach aus dem Grund, dass es hier viel weniger Kontrollen gab.
Aber schauen wir uns die von mir verwendeten 6 Reisearten in Venezuela genau an:
1. Trampen in Venezuela
Trampen nennt sich in Venezuela „Cola”, übersetzt so viel, wie sich am Schwanz eines Pferdes festhalten und sich ziehen lassen, ein Begriff, der noch aus der nicht-motorisierten Zeit stammt. Wenn man jemanden direkt nach einer Fahrt fragen will, sagt man „Me das/da la Cola para…” und fügt noch die Destination hinzu.
Da die letzten Jahrzehnte allzu sehr von Gewalt geprägt waren, sind die Menschen heute aber etwas vorsichtiger beim Mitnehmen von Fremden als in der Epoche des Pferdeverkehrs. Deswegen ist es am besten, sich zu den Mautstellen und Militär-Checkpoints zu begeben und die Ordnungskräfte den Job erledigen zu lassen. Die werden erst nach den Dokumenten fragen und dann weiterhelfen. Meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass sie Fahrer wirklich nur dann ansprechen, wenn sie direkt den Zielort ansteuern. Dadurch verliert man jede Menge Zeit und muss ab und zu nachhaken. Außerdem kann es ziemlich eklige Kontrollen geben, wenn man ins falsche Auto einsteigt, inklusive kompletter Durchsuchung des Gepäcks.

Grundsätzlich funktioniert Trampen vor allem mit Militärunterstützung. Man sollte aber aufpassen, nicht „in verdächtig wirkende” Autos einzusteigen, weil die eher herausgewunken werden. An den Checkpoints darf man sich auch nicht zu viel Ruhe gönnen und auf die Arbeit der Beamten vertrauen. Lieber selbst nochmal den Daumen raushalten und Druck machen.
Meine eigenen Erfahrungen beschreibe ich im Detail in meinem Artikel Per Anhalter in Venezuela.
2. Busse
Die zweite Option für Langstreckenfahrten sind die Busse, sicherlich die üblichste Variante, um in Venezuela von A nach B zu kommen. Hier sei aber gesagt: Es dauert im Zweifelsfall ewig. Während bei den Autos eben nur ein paar Fahrgäste überprüft werden müssen, lassen die Soldaten und Antidrogeneinheiten bei den Bussen teilweise alle aussteigen und das Gepäck öffnen. Entsprechend steckt man immer wieder mal eine halbe Stunde oder länger fest.

Generell fühlt man sich irgendwie immer unter Verdacht gestellt. Kein freundliches Lächeln, sondern nur Strenge und Verdacht. Im schlimmsten Fall vermuten sie Drogen und das Gepäck wird komplett durchsucht (so bei mir per Anhalter geschehen). Bei mir wollten sie sich sogar Zugang zu meinem Telefon verschaffen und lasen meine persönlichen Postkarten durch. Im Ergebnis musste ich 20 USD Bestechungsgeld zahlen, um die Sache abzukürzen. Die andere Anklage ist vermutlich Journalismus. Nach sozialen Netzwerken (Redes sociales) wird immer mal wieder gefragt. Am besten Nein sagen oder nichts verstehen oder auf die geringe Reichweite hinweisen.
Mit anderen Bussen ging es aber durchaus auch ohne Checks durchs Land. Nach einer langen Tour per Anhalter nahm ich in Barquisimeto den Nachtbus nach Caracas und wurde auf dem ganzen Weg überhaupt nicht behelligt. Ob das daran lag, dass es eine Liste mit allen Passagieren gab, die dann vorgezeigt wurde? Manchmal war das alles nicht so schlüssig.
Eines, was man aber sagen kann, ist, dass die Fahrzeuge auf der Straße von Maracaibo bzw. von Kolumbien aus Richtung Caracas deutlich häufiger angehalten werden. Ein kolumbianischer Stempel im Pass wirkt nochmals sehr verdächtig. Mir wurde mehrfach gesagt, dass die Antidrogeneinheiten bewusst nach Kolumbianern suchen, um sie unter Druck zu setzen und finanziell abzuziehen. Andere Ausländer sind natürlich auch gute Opfer.

Die Preise für Fernbusfahrten in Venezuela liegen bei etwa 15 bis 30 USD. Von Barquisimeto bis Caracas (etwa 350 km) waren es 15 USD, von Ciudad Guayana bis Puerto la Cruz (ca. 200 km) ebenso. An den Busbahnhöfen (Terminal de Pasajero) bezahlt man direkt bei den Büros oder einem der Ticketverkäufer. Gepäck wird meist unten verstaut, mit Ausgabe einer Marke, was die Sache angenehm sicher macht.

3. Carro por Puesto
„Auto pro Platz”, so lässt sich Carro por Puesto übersetzen. Das heißt nichts anderes, als Sammeltaxi für Langstrecken. Die Taxifahrer stehen meist direkt am Eingang der Busbahnhöfe herum und springen einen förmlich an, wenn man den Ort erreicht. Wer günstig mit dem Bus fahren will, sollte sie sofort ignorieren und weiterlaufen oder laut „autobus” schreien.
Die Carros por Puesto können aber auch eine gute Alternative sein. Bisweilen sind sie praktisch, weil sie schneller durch die Kontrollen kommen. Von Ciudad Guayana/Puerto Ordaz aus habe ich (vielleicht auch nur ausnahmsweise) lediglich 5 USD draufbezahlt, um anstelle des Busses das Sammeltaxi nehmen zu können. Es hat sich gelohnt. Der Fahrer kannte einige der Posten, aber auch an weiter entfernten Kontrollpunkten rauschten wir einfach vorbei.
Warum, ist nur die Frage. Einige Bekannte meinten zu mir, es liegt wirklich an der Art des Autos. Alte Karren mit klappriger Karosserie werden eher angehalten. Entgegen der Vermutung werden im „sozialistischen” Venezuela also nicht die vermeintlich reichen Fahrer mit teuren Autos angehalten und enteignet. Die Behörden quetschen lieber Bestechungsgeld bei Arbeitern und Trampern heraus.
4. Mit dem Flugzeug in Venezuela
Eigentlich finde ich es besser, alles auf dem Landweg zu bereisen und langsam die Veränderung von Landschaften und Kultur zu spüren. Die vielen Checkpoints, teilweise am Ortseingang und am Ortsausgang, jedes Mal mit derselben Intensität (Gepäckkontrolle, Antidrogen, Verdacht, soziale Netzwerke zu verwenden), machen Bus- und Autofahrten aber einfach anstrengend. Daher nahm ich ein paar Mal die Abkürzung über den Flieger – maximal 1 Stunde in der Luft vs. 8 bis 15 Stunden auf der Straße ohne klaren Zeitplan.

Bei Inlandsflügen geht alles viel einfacher. Man muss auch hier vor der Sicherheitskontrolle zur Migrationsbehörde und wird unter Verdacht gestellt. Diesen räumt man sehr gut mit ausgedruckten Reservierungen und einem Rückflugticket aus dem Weg. Was immer sie sagen, Tourismus antworten, ich habe Hotels und eine Rückreise geplant.
Im Land operieren verschiedene Airlines. Für die internationalen Flüge zwischen Kolumbien und Venezuela habe ich Wingo gewählt. Bei den Inlandsflügen nutzte ich Avior Airlines und Laser. Daneben gibt es noch Conviasa, Estelar, Copa, Avianca und LATAM.

Insgesamt kann ich sehr zu Avior und Laser anstelle von Wingo raten. Wingo erscheint auf den ersten Blick günstiger, man muss aber noch Aufgabegepäck hinzufügen. Bei den anderen beiden Airlines ist das sogar im günstigsten Tarif inklusive. Zudem hakt die Webseite von Wingo bei der Bezahlung. Ständig kommt die Behauptung, Euro werde momentan nicht unterstützt. In Caracas sorgte das für enorme Probleme, weil dadurch der Online-Check-in blockiert war. Man wird zum Flughafen verwiesen, wo es jedoch kein Office gibt. An den Kundendienst kommt man kaum heran. Als der Flug nach Medellín dann auch noch gecancelt wurde, war das Chaos umso größer. Fazit: Nie wieder mit Wingo.

Auch bei Avior und Laser hatte ich zunächst einige Schwierigkeiten mit der Bezahlung für die Tickets selbst. Irgendwann ging es dann aber, jedoch musste ich eine ganze Reihe an Kredit- und Debitkarten ausprobieren. Die Airlines über WhatsApp zu kontaktieren, klappt meistens nicht. Man kommt hier nur an einen KI-Bot, der im konkreten Fall aber nicht wirklich weiterhilft. Englisch ist übrigens kaum eine Option.
5. Fähre
Wer Isla de Margarita, eine der bekanntesten Inseln Venezuelas, besuchen will, kann neben dem Flugzeug auch die Fähre nutzen. Für den Archipel Los Roques sind dagegen nur Flüge verfügbar. Die Schiffe nach Margarita starten in Puerto la Cruz und Cumaná. Hier sind mehrere Reedereien angesiedelt, was die Zeitpläne manchmal etwas verwirrend macht. Ich hatte zunächst bei Gran Cacique nachgeschaut und nur Abfahrten am Morgen gefunden. Auf Nachfrage beim Taxifahrer stellte sich aber heraus, dass es noch viele weitere Fahrten gibt, u. a. durch die Nacht hindurch.

Neben dem Terminal von Gran Cacique gibt es einen weiteren „Ferry”-Hafen. Wer hier hin möchte, muss den Taxifahrern also nur „Ferry Terminal” sagen und kommt schnell dorthin. In der Eingangshalle gibt es verschiedene Anbieter wie Navibus, Naviera Paraguana und Ahca. Deren Services nach Punta de Piedras starten u. a. um 15:00 Uhr, 22:00 Uhr und 23:50 Uhr. Ich entschied mich für die letzte Option, um auf der Fähre etwas zu schlafen und mir damit die Übernachtung sparen zu können. Nach fast genau 5 Stunden waren wir auf der Insel. Am Ausgang des Terminals gibt es ziemlich viele Taxis, die man am besten ignoriert, um für 1 USD anstelle von 20 mit dem Bus ins Zentrum von Porlamar zu fahren.

Nun aber zum Ticketkauf – der hatte es nämlich in sich. Es dauerte etwa 2,5 Stunden, bis ich endlich die Fahrkarte in der Hand hatte. Zuerst musste ich zur Einwanderungsbehörde (Migración), die sich in der gleichen Halle befindet. Hier werden Angaben zu Pass, Reisegrund, Telefonnummer (lokal) und Hotel gefordert. Das ging relativ zügig vonstatten und danach sollte ich wieder zurück zum Ticketschalter. Die Mitarbeiter hatten nur keine Ahnung, wie man einen ausländischen Pass in das System einträgt. Nach 20 Minuten strich meine Sachbearbeiterin die Segel und gab allen anderen Kunden den Vorzug.
Nach über einer Stunde hakte ich nochmal nach, was, wie ich schon beim Trampen herausgefunden hatte, sehr sinnvoll in Venezuela ist. Irgendwann nahm sie sich meiner wieder an, unterbrochen von anderen Passagieren, die sich wieder dazwischen klemmten. War das eine Problem mit Hilfe von zwei weiteren Mitarbeitern geklärt, wurde es auf einmal mit der Kartenzahlung schwierig. Es schien so, als hätte sie noch nie eine Visa-Kreditkarte gesehen. Nach nochmal 15 Minuten oder mehr lehnte sie die Zahlungsmethode ab und ich musste mein letztes Bargeld für den Fahrschein zusammenkratzen. Der kostet, ähnlich wie bei den anderen Anbietern, 30 USD und komischerweise hatte ich es bis auf den letzten Bolívar passend parat.
Wenn man dann das Ticket hat, muss man an irgendeinen weiteren Schalter, wo nochmals Gebühren von etwa 2,50 Euro erhoben werden. Dieses Mal wurde meine Kreditkarte direkt und ohne zu zögern akzeptiert, geradezu verlangt. Wäre das vorher gegangen, hätte ich nicht komplett blank auf die Insel fahren müssen. Aber immerhin, endlich hatte ich mein Ticket mit zwei Quittungen in der Hand und…musste natürlich nochmal zur Einwanderungsbehörde (Migración). Dort wurde das Ticket abgestempelt, danach nochmal beim Einstieg überprüft und fertig. Abgesehen von der obligatorischen Drogenkontrolle, versteht sich.

Was man übrigens nicht braucht, obwohl es auf den Seiten der Fähranbieter steht: eine Passkopie. Die brachte ich mit, sie wurde aber nicht erfragt.
Städtischer Nahverkehr
In den Städten ist man meist mit Bussen oder Taxis unterwegs. In Caracas gibt es auch eine U-Bahn, für die man allerdings eine elektronisch aufladbare Karte braucht. Was für mich meist am besten war: Die Taxi-Apps Yummy Rides und Ridery. Diese kann man einfach an seine Mastercard koppeln und bekommt mit dieser Methode zusätzliche Rabatte. Die ersten Fahrten sind aber auch mit der Visa kostenlos. Insgesamt ist das App- und Bezahlsystem hier trotz der Opposition zu den USA deutlich besser zu navigieren als das in China.

Bei Yummy Rides kann man sich zwischen Autos, Motorrädern und Vintage-Cars, also klapprigen Oldtimern, entscheiden. Meine Wahl fiel meist auf die Motos, weil sie einfach spottbillig sind und teils nur 1,50 Euro kosten. Wenn viel Verkehr herrscht, kommt man damit auch schneller durch den Stau.
Ausreise aus Venezuela: auch alle Dokumente dabei haben
Die Ausreise ist ehrlich gesagt kaum einfacher als die Einreise. Erst hatte ich mich noch gewundert, warum mir die Airline am Telefon sagte, dass ich 5 Stunden eher am Flughafen sein sollte. Das klärte sich bald auf. Die Schlange am Check-in war riesig und endete zunächst an drei in Paradeuniform gekleideten Militärs, einschließlich eines Mitglieds der Anti-Drogen-Einheit. Diese überprüften relativ schnell das Ticket, bevor es zum Schalter ging.

Am Schalter wurde dann weiter nachgebohrt. Nun kamen kritische Fragen dazu, wo ich übernachtet hätte und ob es Weiterflüge von Kolumbien nach Europa gäbe. Die Dokumente alle noch dabei zu haben, hat geholfen. Es dauerte aber eine ganze Zeit, bis endlich das Gepäck angenommen und die Bordkarte ausgestellt wurde. Eine lokale Telefonnummer sollte auch noch angegeben werden.
Als nächstes musste ich wieder warten, dieses Mal neben den Gepäckscannern. Erst dann, wenn die eigenen Koffer oder Rucksäcke durch das Gerät gelaufen und nichts bemängelt worden ist, kann man weiter zur Sicherheitskontrolle, vor der erneut Antidrogeneinheiten mit Hunden warten. Einer der Vierbeiner hat mir hier fast noch meinen vor Fett triefenden Empanada weggeschnappt. Das zeigt, wie tief die Korruption in Venezuela greift.
Die nächste Station war die eigentliche Passkontrolle. Hier ging es dann wieder um die Formalitäten meiner Aus- und Weiterreise ebenso wie um meinen Aufenthalt. Wohnorte, Telefonnummern und eben die Flugtickets nach Europa wurden verlangt. Ein zweiter Beamter fotografierte alles ab und fragte mich glücklicherweise nicht zu meinen bereits gelöschten Social-Media-Apps.
Fast am Boarding war der Wahn noch nicht zu Ende. Der Empanada und ein paar überreife Mangos schienen Verdacht geweckt zu haben. Musste ich schon beim Scanner alle meine Sachen aus dem Handgepäck nehmen, ging es beim Boarding wieder los. Hier wird nämlich nochmal vor dem Flugpersonal eine Drogenkontrolle durchgeführt. Der Beamte hatte mich irgendwie ausgemacht und durchsuchte meine Tasche.
Die Früchte waren ihm dabei fast egal. Intensiv schnüffelte er aber an meinen Powerbanks und drehte ein kleines Video von sich selbst auf meiner GoPro. Damit, dass die Batterien in das Fach passten, war er irgendwann zufrieden. Alles wieder eingepackt, ging es in den Flieger. Obwohl es in Venezuela spannend und weitestgehend sicher war, fühlte ich mich dann doch etwas erleichtert, dem Kontrollstaat entkommen zu sein.
Schnelle Antworten (FAQs)
Do I Need To Know Spanish In Venezuela?
You will need to know some basic Spanish to get around in Venezuela. Even at airports and with the police, communication will be only in this language. It's advisable to download the language for Google Translate or other Translator apps.
Can I Get a Local SIM Card in Venezuela?
Yes, you can easily get a SIM Card in any big phone shop. After presenting your passport, you will be able to buy your SIM plus a data or calling package.
Do I Need a Visa For Venezuela?
Most Europeans don't need a visa to enter Venezuela and are allowed to stay in the country for 90 days. American tourists will have to apply for a visa beforehand. This rule might change in the near future, because of the rising American influence in Venezuela.
Can I Pay By Card or Cash in Venezuela?
In most cases, you can pay by card. You will be able to use Visa and Mastercard. There are some exceptions, especially street food and the ferry in Puerto la Cruz. It's advisable to have at least some USD and Bolívares ready. In some cases, I could also pay with Euros.
Is The Internet Restricted In Venezuela?
No, the Internet is not too restricted, but most likely surveyed. During my travel to Venezuela, I could access most websites and apps. Out of my experience, it's also easy to install and use an VPN in Venezuela.