Eine der preiswertesten Attraktionen von Taschkent ist die Metro. Für nur 10 Cent taucht man in diese prächtige Welt der sowjetischen Volkspaläste ein und darf imposante Säle bewundern.

Während viele Menschen vom Prunk der Moskauer Metro schwärmen, kennen nur wenige die „Paläste des Volkes“ von Taschkent. Im direkten Vergleich gefallen mir viele der Stationen hier sogar noch besser als die in Moskau.
Hier sind meine Top 10 der schönsten Metrostationen in Taschkent:
1. Alisher Navoiy

Mein absoluter Top-Favorit ist die Station Alisher Navoiy auf der O’zbekiston-Linie im Zentrum der Stadt. Sie wurde am 8. Dezember 1984 eröffnet und trägt den Namen eines der bekanntesten Poeten der Timuridenzeit, lebendig von 1441 bis 1501. Entsprechend kunstvoll ist die Station auch gestaltet.

An den Seiten heben sich in gebogenen Nischen türkisfarbene Reliefs mit Szenen aus Leben und Werk Navoiys ab. Hierfür kann man sich viel Zeit lassen, um jedes einzelne der gekachelten Bildnisse zu betrachten. Noch faszinierender ist aber die Decke. Sie besteht aus unzähligen reich verzierten Kuppeln, die an Moscheen oder orientalische Badehäuser erinnern. Getragen werden Sie von viereckigen Säulen aus Marmor.

Abgesehen davon lohnt sich auch ein Blick in die Eingangshalle. Dort sind die Wände mit weiteren Szenen und Ornamenten, z. B. mit Dotur spielenden Frauen, versehen. Fährt man dann die typisch sowjetische Rolltreppe hinunter zum Bahnsteig, bewegt man sich direkt auf ein riesigen Fliesenwandbild zu, welches eine Art sternförmiges Mandala bildet, selbstverständlich im für die Region typischen Grün – jedoch etwas dezenter – gehalten.
Location: Alisher Navoyi
2. Kosmonavtlar

Es war schon etwas schwierig, diese Station nicht auf Nummer 1 zu setzen, ist sie doch die vermutlich einzige in der ehemaligen Sowjetunion, die komplett im Weltallstil gestaltet ist. Die geriffelten Fliesenwände haben einen entsprechenden Farbverlauf – von Weiß am Boden über Hellblau bis Dunkelblau und Schwarz. Damit wird perfekt der Weg in den Kosmos beschrieben, den die abgebildeten Personen gegangen sind.

Geehrt werden u. a. Jurij Gagarin, der erste Mensch im All, und Walentina Tereschkowa, die erste Frau, die auf ihn folgte. Daneben finden sich auf den runden Sci-Fi-artigen Gemälden weitere Größen der sowjetischen Raumfahrt wie Wjatscheslaw Wolkow und Wladimir Dzhanibekow, letzterer sogar in Taschkent aufgewachsen.

Neben diesen tatsächlichen Raumfahrern gibt es auch Verbindungen zur Antike und zum islamischen Mittelalter. So können Besucher den timuridischen Astronomen Ulugh Beg und die griechisch-mythologische Gestalt des zur Sonne fliegenden Ikarus bewundern. Die Säulen sind in getöntes Glas gehüllt, das zusammen mit den die Milchstraße repräsentierenden Kristallen an der Decke die funkelnden Sterne des Kosmos zeigt.

Eröffnet wurde die Station Kosmonavtlar 1984 und war eine Idee des Taschkenter Architekten Sergo Sutjagin.
Location: Kosmonavtlar
3. Mustaqilliq Maidoni

Die Station Mustaqilliq Maidoni, also Mustaqilliq-Platz, befindet sich auf der Chilonzor-Linie und wurde bereits 1977, damals noch unter dem Namen Lenin-Platz, eröffnet. Wer den Saal betritt, muss wirklich erst einmal durchatmen und die gesamte Schönheit aufsaugen. Die hohen runden Säulen laufen oben zu breiten weißen Trägern aus, von denen tiefe Furchen zu den mit komplexen Ornamenten versehenen Zwischenräumen abgehen.

In der Mitte der Träger: tief herunterhängende Kronleuchter mit länglichen Lampen, die fast schon wie tropfende Kristalle wirken. Boden und Wände bestehen aus einem vielfarbigen Marmor, der von kupfernem Grün in ein rostbraunes Rot übergeht.

Location: Mustaqilliq Maidoni
4. Gafur Gulom

Gafur Gulom auf der O’zbekiston-Linie ist im Vergleich etwas einfacher gestaltet, aber aufgrund seiner filigranen grünlichen Säulen auf jeden Fall ein Schmuckstück. Diese gehen in eine weiße Decke über, welche von runden Lampeneinsätzen durchlöchert ist. Das eigentliche Highlight sind die brutalistisch anmutenden Reliefs, bestehend aus glasierten Quadraten und Rechtecken, die insgesamt großflächige Bilder, z. B. von Pferden, Personen und einem sowjetischen Stern bilden.

Diese Granit-, Keramik- und Marmorreliefs sind eine Komposition von S. Sultonmuradov, der damit den Namensgeber der Station, den usbekischen Poeten Gafur Gulom ehren wollte. Unter diesem Motto wurde die Station am 6. November 1989 als Erweiterung zwischen Alischer Navoiy und Chorsu eingeweiht.

Location: Gafur Gulom
5. Oybek

Ebenfalls etwas simpler gehalten, ist die wichtige Umsteigestation Oybek auf der O’zbekiston-Linie. Von hier aus können die Fahrgäste direkt zu Yunus Rajabiy auf der Yunusobod-Linie wechseln. Der Haltepunkt wurde im Dezember 1984 eröffnet und nach dem zeitgenössischen sowjetischen Autor Musa Tashmukhamedov, auch als Oybek bekannt, benannt.

Das Relief des Schriftstellers wird direkt beim Zugang zum Bahnsteig gezeigt. Auf diesem lassen sich dann viereckige Säulen finden, die mir mit den Marmorecken und den türkisfarbenen Einfassungen sehr gefallen haben. Letztere stellen vor allem Blütenformen und orientalische Ornamente dar.
Location: Oybek
6. Paxtakor

Paxtakor befindet sich direkt neben der modernen Tashkent City Mall und dem Stadion des Fußballclubs selben Namens. Nach diesem ist die Station benannt, worauf u. a. das olympisch anmutende Mosaik am Eingang mit Fackelläufer in Rot, Gelb und Orange einen Hinweis gibt. Auf der Plattform reihen sich dann relativ klassische marmorne Säulen auf.

Das Hauptaugenmerk wurde beim Design auf das wunderschöne Mosaikband in Türkis, Weiß und Blau gelegt, welches an den Wänden vom Anfang bis zum Ende verläuft. Es zeigt vor allem verschlungene florale Muster. Eröffnet wurde die Paxtakor-Station in Taschkent bereits im Jahr 1977 und sie ist dabei Teil der wichtigen Chilonzor-Linie.
Location: Paxtakor
7. Chilonzor

Auf der Chilonzor-Linie befindet sich auch die gleichnamige Metrostation, die im November 1977 eröffnet wurde und somit eine der ältesten in Taschkent ist. Anders als bei den anderen Haltepunkten gibt es hier keine Säulen, sondern nur ein hohes Gewölbe, von dem kreisrunde Leuchter mit einem Durchmesser von fünf Metern, fast zu einer mittelalterlichen Tafelrunde passend, herunterhängen.

An den Wänden befinden sich dann glasierte Keramikbilder in kräftigen Farben. Sie stellen verschiedene Szenen, vom usbekischen Teehaus bis zu musikalischen Einlagen, dar. Diese beziehen sich nicht direkt auf den Namen der Station, dem Mikrorajon, in dem sie sich befindet. Alleine aufgrund der kunstvollen Bildnisse und der Marmorwände ist diese Metro in Taschkent aber auf jeden Fall einen Stopp wert.

Location: Chilonzor
8. O’zbekiston

Die Taschkenter Metrostation O’zbekiston ist im Vergleich zu den anderen nicht so spektakulär, hat aber durchaus einige sehenswerte Elemente zu bieten. Schon am Eingang zum Bahnsteig begrüßt die Besucher ein riesiges Mosaik, welches die usbekische Nation mit Landesfarben und Wappen repräsentiert. Im Inneren der Station erhebt sich ein riesiges weißes Gewölbe ohne Säulen, an dessen Seiten markante Lüster über die Schienen hängen.

Die einzelnen Lampen erinnern an Baumwollkapseln, die von metallischen Greifarmen getragen werden, eine Referenz an das wohl wichtigste Wirtschaftsprodukt des Landes. Passend dazu verlaufen darunter türkisfarbene Bänder aus Keramik, die sich vom Marmor abhebend für die Bewässerungssysteme Usbekistans stehen.

Eröffnet wurde diese Metrostation in Taschkent 1984 als Teil der O’zbekiston-Linie zwischen Kosmonavtlar und Alisher Navoiy, somit also in perfekter Lage für einen Zwischenstopp beim Sightseeing.
Location: O'zbekiston
9. Toshkent

Zusammen mit der O’zbekiston-Station wurde im Dezember 1984 auch die Toshkent-Station eingeweiht, deren Name sich auf den sich hier befindlichen Hauptbahnhof bezieht. Auch sie ist Teil der O’zbekiston-Linie und begeistert vor allem mit einer für Taschkents Metrostationen ungewöhnlichen Farbgebung.

Die rechteckigen Säulen und Wände bestehen überwiegend aus einem gelblich-orangenen Marmor. Die Pfeiler schließen dabei jeweils mit Kapitellen aus Keramik in kräftigem Türkis, Grün und Blau ab. An den Wänden befinden sich Keramikbilder in ähnlicher Farbgebung, welche Gründung und Existenz Taschkents feiern. Zudem lädt das Stadtwappen am Plattformeingang zum Besuch der Metropole ein.


Location: Toshkent
10. Beruniy

Beruniy ist eine der neueren Stationen der Taschkenter Metro, mit Traditionen, die dennoch in die Sowjetepoche zurückreichen. Sie wurde im April 1991 eröffnet und ist bis heute der Endpunkt der O’zbekiston Linie. Das säulenfreie Gewölbe in Weiß ist vor allem in Kombination mit den hervortretenen dreieckigen Elementen, die für dreidimensionale Effekte sorgen, ein Hingucker.

Dazwischen hängen die eindrucksvollen Kristallleuchter mit goldenem metallischem Glanz und warmweißem Licht tief von der Decke herunter. Insgesamt ist Beruniy eine deutlich modernere Interpretation der traditionellen Metrostationen in Taschkent, aber auf jeden Fall die Reise bis ans Ende dieser Strecke wert.
Location: Beruniy
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