Vielleicht schießen usbekische Restaurants in Berlin jetzt nicht gerade wie Pilze aus dem Boden, jedoch: Es werden immer mehr. Durch welches Viertel ich auch laufe, ich begegne ihnen. Ein Grund: Viele von ihnen haben dieselben Besitzer.

Tatsächlich ist das zentralasiatische Essen eine spannende Alternative zu Kebab, Falafel, Sushi, Phở & Co. Meinen ersten Plov, das fettige Reisgericht mit Fleisch, Möhren, Kichererbsen und Rosinen, hatte ich um 2005 von meinem usbekischen Nachbarn im Studentenwohnheim vorgesetzt bekommen. Später aß ich ihn in Taschkent, Samarkand und Bukhara. Grund genug, die trendigen usbekischen Restaurants in Berlin zu testen.
Kleines Glossar der usbekischen Küche
- Plov: Usbekisches Reisgericht, das meist mit Lamm-, Rind- oder Pferdefleisch zubereitet wird. Weitere Zutaten sind in Streifen geschnittene Karotten, Kichererbsen, Knoblauch und manchmal auch Rosinen.
- Samsa: Im Tandyr-Ofen gebackene Pastete, meist mit Hackfleisch gefüllt und mit Sesam und Schwarzkümmel verziert.
- Lagman: Handgezogene Nudeln mit Kartoffeln, Paprika und Rindfleisch.
- Manti: Gekochte Teigtaschen, meist mit Hackfleischfüllung
- Ljagan: Bunt verzierter Keramikteller, auf dem usbekische Speisen serviert werden
- Kasan: Großer gusseiserner Kochtopf, in dem traditionell Plov zubereitet wird.
- Kompot: Aus getrockneten Früchten hergestelltes Erfrischungsgetränk.
1. Uzbek Eats: Kleiner Imbiss mit Showküche in Schöneberg
Aufgrund der intensiven Social-Media-Kampagnen gehört Uzbek Eats seit Ende 2023 zu den bekanntesten usbekischen Restaurants in Berlin. Bereits der an Uber Eats erinnernde Name bleibt im Kopf hängen und vermittelt eine Prise Humor. Auf Instagram kann man dann die Köche an ihren riesigen Kasan-Kesseln sehen, wie sie mit viel Leidenschaft für ihr Produkt den Reis umschichten und die sich darunter befindlichen Fleischstücke nach stundenlangem Garen wieder zum Vorschein bringen.

Geführt wird Uzbek Eats von einer Gruppe rund um den Kirgisen Ernazar Imankadyr. Der Küchenchef Sardor Sobitow sei dagegen von der usbekischen Botschaft abgeworben worden und habe dort jahrelang seine authentischen Kochkünste zum Besten gegeben. Grund genug also, um mit hohen Erwartungen zu diesem kleinen Imbiss zwischen Eisenacher Straße und Bayerischem Platz in Schöneberg aufzubrechen.

Das Lokal ist wirklich kaum größer als ein Kiosk. Die Hälfte der Fläche wird von der Küche, genauer gesagt den Kasan-Kesseln, eingenommen, in denen die Gäste dem Plov beim Garen zusehen können. Das macht den ganzen Besuch zu einem authentischen Erlebnis, welches nur schwer mit den anderen usbekischen Restaurants vergleichbar ist. Dazu kann man sich auch noch am elektrischen Samowar bedienen und so viel Tee ziehen, wie man mag.

Auf den Tisch kommt bei Uzbek Eats der Hochzeitsplov aus Taschkent für 12,50 Euro. Ich selbst durfte ihn viele Male in Usbekistan ausprobieren und er ist mit der Zugabe von Rosinen mein absoluter Favorit. Neben dieser süßen Note verwenden die Macher von Uzbek Eats außerdem eine Mischung aus Rind- und Lammfleisch, die obligatorischen Karotten, Kichererbsen und ganze Knoblauchknollen.

Der Geschmack überzeugt. Das zerhackte Fleisch kommt oben auf den wirklich perfekt gegarten, leicht öligen Reis. Kleines Schmankerl sind die eingelegten, scharfen Peperoni, die sich dekorativ oder eben zum Genießen dazugesellen. Für ein paar Münzen mehr (15 Euro) serviert man eine Premium-Version mit Wachteleiern, ein in Usbekistan sehr klassisches Topping. Seit Ende 2025 bereitet Uzbek Eats sogar einen Veggie-Plov mit Halloumi oder Tofu zu, was allen Vegetariern eine gute Möglichkeit eröffnet, dieses Gericht fleischlos zu probieren.

Ausgegeben werden die Speisen meist leider nicht auf den sonst so reich verzierten Ljagan-Keramiktellern. Stattdessen nutzt das Restaurant ganz nach Uber-Eats- und Lieferservice-Manier Einweg-Pappschälchen. Das hat sicherlich auch etwas mit der Größe und den wenigen Sitzplätzen zu tun, welche dieses usbekische Restaurant in Berlin hat.

Was übrigens auch dafür spricht, dass Uzbek Eats einen der besten Plovs in Berlin serviert: In der knappen Stunde, die ich in dem Imbiss verbracht habe, hat kaum jemand auf Deutsch bestellt. Die überwiegende Mehrheit waren Russischsprachler, vermutlich aus dem gesamten Kosmos des postsowjetischen Raums. Es scheint fast so, als hätte sich der Laden herumgesprochen und viele kommen hierher, um sich ganz nostalgisch dem Plov hinzugeben.

Neben Plov gibt es übrigens auch noch einige andere Speisen auf der Karte. Die handgemachten Samsa und Manti sind ebenso lohnenswert wie die handgezogenen Lagman-Nudeln, nur leider nicht, als ich da war.
Location: Grunewaldstraße 35
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 12:00-20:00 Uhr
Webseite: https://www.instagram.com/uzbekeats.berlin
2. Spießkönig: Leckeres vom Streetfood-Wagen (eher eine russische Interpretation)
Ganz konservativ betrachtet ist die Spießkönig-Variante des Plovs vielleicht nicht superauthentisch. Zumindest würde die Präsentation in Usbekistan etwas anders aussehen. Ich hatte hier den Eindruck, dass es trotz der usbekischen Hüte auf den Köpfen der Köche mehr eine russische Adaption des zentralasiatischen Gerichts geworden ist.

Jedoch: Sie schmeckt. Ich habe sie getestet und für gut befunden, nicht zuletzt, weil mir die Portionen für nur 10 Euro hier einerseits größer erscheinen und zart zerfallendes Lammfleisch verwendet wird. Dazu kommen Kichererbsen, ganz klassisch Möhren und ein paar Rosinen (von denen ich gerne noch mehr gehabt hätte). Das Gericht wirkt hier knallig gelb und den Kurkuma schmeckt man auch heraus. Dass ein ordentlicher Ölrest am Boden der Pappbox bleibt, ist schon eher ein gutes Zeichen. Etwas ungewöhnlich wirkten auf mich die optionalen Beilagen wie Spiegelei, Rosmarinkartoffeln und Kartoffelsalat. Man kann sie aber einfach weglassen.

Zubereitet wird das Ganze in einem gusseinsernen Kasan direkt im Foodtruck. Daneben verkaufen die beiden Betreiber in ihrem Wagen am Ostbahnhof weitere osteuropäische und russische Klassiker wie Schaschlik aus Schweinefleisch, Wareniki- und Pelmeni-Teigtaschen, Tschebureki (also keine Samsa hier, was meinen russischen Plov-Verdacht erhärtet) und Blini.

Bei der Platzierung habe ich mich hier wirklich schwergetan. Verglichen mit Usbekistan ist das hier kein extrem authentischer Plov. Die korrekte Anordnung mit Eiern und Pferdewurst wie in Taschkent oder Samarkand findet man aber ganz ehrlich nirgendwo in Berlin. Aber auch sonst ist hier einiges nicht usbekisch, vor allem die Tatsache, dass sich das Fleisch schon im Reis befindet und nicht zerhackt oben draufgelegt wird.
Das Problem ist nur, es schmeckt wirklich gut. Es wird der richtige Reis verwendet, es ist angenehm ölig und die Verwendung von reinem Lammfleisch pusht den Spießkönig weit nach vorne. Im Preis-Leistungs-Verhältnis ist der Imbiss hier einfach so gut, dass ich eigentlich nicht anders kann, als ihn über die Rindfleisch-Plovs zu setzen.

Außerdem gefällt mir der Ort an sich. Spießkönig ist Teil des Streetfood-Marktes auf der Nordseite des Ostbahnhofs. Erst einmal muss man sich durch die etwas schmutzigen Ecken des Bahnareals kämpfen, erreicht dann aber diesen lichten Platz mit einer breiten Auswahl an Essen, von chinesisch über koreanisch und jamaikanisch bis eben hin zum usbekischen Plov.
Wer eine reichliche Portion Lammfleischplov zu einem guten Preis, nicht fancy angerichtet, aber lecker will, ist bei Spießkönig auf jeden Fall richtig.
Location: Hermann-Stöhr-Platz (am Ostbahnhof)
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 11:00-17:00 Uhr (kann variieren)
Webseite: n/a
3. Chaikhana Schönhauser Allee: große Portionen in authentischem Ambiente
Chaikhana entspringt der Foodtruck-Szene und hat in Bistro-Form mit einem kleinen Standort in Neukölln angefangen. Diesen hatte ich schon zuvor getestet und aus verschiedenen Gründen etwas weiter unten eingeordnet. Das Projekt hat bisher aber Erfolg, was nicht zuletzt am traditionellen Flair und dem wöchentlichen Angebot im Mauerpark liegt. Auf dieser Basis konnten die Betreiber ein ganzes Restaurant in Prenzlauer Berg eröffnen.

Angelockt von den extrem guten Bewertungen auf Google habe ich mal vorbeigeschaut. Von innen und außen sieht es hier schon mal sehr authentisch aus. Man kann an den niedrigen Tischen auf dem Boden sitzen und sich die verschiedenen zentralasiatischen Kleidungsstücke an den Wänden anschauen. Das Personal kommt gemischt aus Usbekistan und Kirgistan. Einen kasachischen Twist gibt es aber auch.

Mit 14 Euro halte ich den Plov in der Chaikhana Schönhauser Allee ehrlich gesagt für etwas teuer, vor allem, weil hier nur Rind und kein Lammfleisch verwendet wird. Hierin gleicht das Rezept also dem in der Filiale in Neukölln. Immerhin sind die Portionen größer, meines Erachtens die größten im Vergleich. Hier geht man wirklich voll nach Hause, weil zum Essen noch ein Salat gereicht wird.

Im Test der besten Plovs in Berlin finde ich die Variante von Chaikhana Wichertstraße auf jeden Fall gut, sie kann aber mit den Restaurants mit Lammfleisch aus meiner Sicht nicht ganz mithalten. Das ist aber natürlich auch eine persönliche Geschmackssache. Das Problem ist eben, dass es mit Rind immer etwas trockener wird und die Fettigkeit fehlt.

Dafür krönen die Köche hier den Plov mit zwei Knoblauchzehen zum Auszutzeln: Das ist genau wie in Usbekistan und in Berlin unvergleichbar. Da es sich um eine Taschkenter Variante handelt, gehören natürlich auch Rosinen hinein – es könnten aber ehrlich gesagt ein paar mehr sein. In Neukölln sind sie übrigens auch etwas untergegangen.

Neben dem Plov gibt es noch eine Reihe anderer zentralasiatischer Gerichte wie Manty und Samsa. Beshbarmak aus Kasachstan dürfte auf jeden Fall ein weiterer Hit sein. Die Speise bedeutet so viel wie „fünf Finger“ und besteht aus gekochtem Fleisch, Nudeln und Sauce. Wer mit mehreren Personen vorbeischaut, kann also verschiedene Sachen ausprobieren und dazu auch noch türkischen Ayran oder den kirgisischen fermentierten Malztrunk Maksym trinken.

Im Gesamtbild hat Chaikhana Wichertstraße auf jeden Fall einen der besten Plovs in Berlin. Es gibt zwar ein paar Verbesserungsmöglichkeiten und auch preislich muss man sich das Essen hier leisten wollen, dennoch sind Geschmack und Präsentation top. Deshalb aktuell nur auf Platz 3.
Location: Wichertstraße 63
Öffnungszeiten: Sa.-Do. 12:00-22:00 Uhr, Fr. 14:30-22:00 Uhr, Montag Ruhetag Webseite: https://www.chaikhana-berlin.de/
4. Taste of Samarkand: Orientalisches Flair in SO36 Kreuzberg und in Charlottenburg
2023 gegründet ist Taste of Samarkand eine relativ junge Ergänzung zur usbekischen kulinarischen Szene in Berlin und wird ebenfalls von Ernazar Imankadyr als Gaststätten-Alternative zum winzigen Imbiss Uzbek Eats betrieben.

Das erste Restaurant befindet sich auf der Oranienstraße in unmittelbarer Nähe zum legendären Kultclub SO36. Bereits von Weitem strahlen einem die riesigen Letter entgegen, welche an die ehemalige Hauptstadt des turko-mongolischen Herrschers Timur im heutigen Usbekistan erinnern. Eine zweite Filiale wurde 2025 in Charlottenburg auf der Reichstraße eröffnet.
Die Ausstattung ist im Vergleich zu anderen Orten etwas moderner, aber dennoch mit vielen traditionellen Elementen verbunden. Dazu gehören die schmuckvollen Bänder mit Ornamenten an den Wänden und ein großflächiges Gemälde des Registan, des zentralen Platzes mit den prächtigen türkisfarbenen Moscheen und Koranschulen in Samarkand.


Nun aber zum Essen: Der Plov zu einem vergleichsweise günstigen Preis von etwa 12 Euro (weil Rind statt Lamm!) scheint recht beliebt zu sein. Zumindest war er bei unserem Besuch erst einmal ausverkauft, die nächste Fuhre wurde eine Stunde später erwartet. In der Zwischenzeit vergnügten wir uns bei vegetarischen Manti-Teigtaschen mit Kürbis- und Spinatfüllung – der fast einzigen fleischlosen Option – und Samsa.

Die Samsa waren auf den Punkt perfekt. Knusprig von außen, dennoch angenehm fettig und mit einem intensiven Geschmack von Schwarzkümmel versehen – authentischer usbekisch geht es kaum. Zudem sind die Happen groß und füllen für einen Preis von 4 Euro gut.
Dazu gab es eine 900-ml-Kanne Grüntee mit großen Schälchen, perfekt, um sich die Zeit bis zur Vollendung des Plovs im Kasan zu vertreiben.
Nach einer Stunde war es dann tatsächlich so weit. Eine ordentliche Portion – meiner Meinung nach genug für zwei Personen –, fein mit grob zerhacktem Rindfleisch belegt, landete vor mir auf dem Tisch.

Das Rindfleisch macht hier preislich und geschmacklich den Unterschied. Insgesamt ist der Taste-of-Samarkand-Plov schon lecker, im Vergleich zu den Lammfleisch-Varianten aber auch einen Tick trockener. Klarer Pluspunkt und ein guter Ausgleich für den Mangel an Fettigkeit: Hier kommen Rosinen oder Berberitzen in den Reis.
Die Verwendung von Rindfleisch ist bei Plov vollkommen legitim und neben Lamm und Pferd selbst in Usbekistan keine Seltenheit. Der Kochstil in Samarkand kommt dabei ohnehin mit etwas weniger Fettigkeit aus und gilt verglichen mit anderen Regionen oft als etwas leichter (soweit man das bei zentralasiatischem Essen sagen kann).

Wer die Vielfalt der usbekischen Küche bei einem Besuch von Taste of Samarkand probieren will, kann übrigens auch den Samarkand-Teller für 18 Euro bestellen. Dieser wird zu einem Drittel mit Plov bedeckt und neben zwei Manti-Teigtaschen sowie einem gefüllten Samsa platziert. Außerdem gibt es etwas frischen Salat dazu.
Location: Oranienstraße 187
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 12:00-22:00 Uhr
Webseite: https://www.tasteofsamarkand.de/
Location 2: Reichstraße 87
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 17:00-22:00 Uhr; Sa.-So. 12:00-22:00 Uhr
Webseite: https://www.tasteofsamarkand.de/
5. Chaikhana Karl-Marx-Straße: Usbekisches Streetfood in Neukölln
Chaikhana ist ein eher kleiner Imbiss, der aus der Foodtruck-Szene heraus entstanden ist. Der Ansatz ist hier überregional und bezieht auch Einflüsse aus Usbekistans Nachbarländern mit ein. Unter der Woche kann man hier ab dem Mittag bis zum Abend Plov genießen. Samstag und Sonntag sind die Plovköche auch mobil im Mauerpark unterwegs.

Mein erster Eindruck war einmal positiv, auch, weil ich direkt einen kostenlosen Schwarztee aus dem Samowar bekommen habe. Das Lokal heißt ja auch Chaikhana, was für Teestube steht. Zudem war gerade Ramadan und damit gab es nochmal einen ordentlichen Rabatt von 2 Euro, also 7 Euro statt 9 Euro für die Portion.

Diese wurde dann erstmal nicht ganz so schön und umweltschonend in einer Einweg-Pappbox über den Tresen gereicht. Schon akzeptabel, aber eben nicht so entzückend wie bei anderen Restaurants. Der Innenraum ist eher schmal und man kann an einem langen Brett Platz nehmen oder draußen sitzen.

Was mich beim Plov ein wenig überrascht hat, war das viele Gemüse, das zusammen mit dem Rindfleisch den Reis fast komplett bedeckte. Der Reis war auch nicht so typisch für das zentralasiatische Gericht, sondern wirkte auf mich eher wie eine arabische Sorte, die auch für saudisches Kabsa und jemenitisches Mandi verwendet wird. Der Grund ist vielleicht die Lage in Neukölln, wo es eben sehr viele Shops gibt, die solche Reissorten verkaufen.

Allgemein war der Plov schon lecker, wenn auch nicht überragend. Das Gemüse gab eine frische Note und ab und zu ließen sich auch ein paar Rosinen finden, also ein kleines bisschen Hochzeits-Style.

Zum Mitnehmen gönnte ich mir dann noch einen Rindfleisch-Samsa, der nach dem langen Transport im Rucksack dann aber von uneinschätzbarer Qualität war. Klar, den hätte ich lieber frisch genießen sollen, es ging aber beim besten Willen nichts mehr rein.

Was auch etwas ungewöhnlich an der Chaikhana in Neukölln ist: Neben Rindfleisch wird auch eine Variante mit Huhn angeboten. Andere lohnenswerte Optionen, um usbekisches und zentralasiatisches Essen auszuprobieren, sind die handgezogenen Lagman-Nudeln, die Manti und die russische Pelmeni-Suppe mit Teigtaschen.
Wie viele andere Plov-Restaurants expandiert Chaikhana ebenfalls. So wurde eine neue Filiale in der Wichertstraße in Prenzlauer Berg eröffnet. Die Einrichtung ist dort etwas traditioneller und die Portionen größer. In diesem Test ist Chaikhana Wichertstraße ziemlich weit oben auf Platz 3 gelandet.
Location: Karl-Marx-Straße 125
Öffnungszeiten: Mo.-Sa. 12:00-21:00 Uhr
Webseite: https://www.instagram.com/chaikhana_berlin
6. Tadschikische Teestube im KunstHof in Mitte: mehr Risotto als Plov
Ebenfalls nicht ganz authentisch ist der Plov in der Tadschikischen Teestube in Berlin-Mitte. Er wird auf der Karte auch vorsichtshalber als „nach Art der Teestube“ ausgewiesen. Diese wurde bereits 1974 als Teil des sowjetischen Pavillons auf der Leipziger Messe gegründet und ist heute ein einzigartiges Stück sozialistischer Vergangenheit.

Das Restaurant befindet sich im KunstHof an der Oranienburger Straße und bietet natürlich in erster Linie Tee an. Besonders angetan hat es mir die russische Teezeremonie, die mit Samowar, Schwarztee, Marmelade, süßen Snacks und Wodka in einem Ambiente aus handgeschnitzten Säulen und Decken sowie Gemälden mit Nomadenthemen gefeiert wird. Daneben gibt es aber alles, von marokkanischer Minze bis hin zu chinesischem Rauchtee.

Wer auf der Karte weiterblättert, wird aber eben auch den Plov nach Art der Teestube finden. Dieser enthält Lammfleisch, Karotten, Kichererbsen und – keine Rosinen.

Das Ergebnis ist, nun ja, eher eine Art Risotto als Plov, dennoch lecker. Es ist nur nicht ganz klar, ob das alles geplant ist oder die Köche den Reis einfach zu lange im Topf gelassen haben. Was auf dem Teller landet, ist jedenfalls ziemlich cremig und hat ein starkes Lamm-Aroma. Alle anderen Plov-Restaurants haben maximal einen Lamm-Rind-Mix angeboten.

Etwas komisch ist die Beilage. Der Salat, passt schon. Aber ein fetter Batzen Smetana ist schon eigenartig. Immerhin, es stört nicht und kann notfalls auch ignoriert werden. Mit dem Salat schmeckt der Schmand trotzdem gut und eigentlich spricht ja allgemein nichts dagegen.

Alles in allem kann man nicht klagen. Das Reisgericht ist nicht wirklich vergleichbar mit einem Original aus dem Kasan, darf aber unter den besten Orten für Plov in Berlin nicht fehlen. Hierfür spricht allerdings in erster Linie die Kombination aus Plov-Angebot und einzigartigem Interieur – zu den Top-Restaurants für zentralasiatische Küche in Berlin gehört es auf jeden Fall.
Wichtige Hinweise: Die Teestube ist relativ klein und eine vorherige Reservierung deswegen sehr sinnvoll. Und: Kartenzahlung wird nicht akzeptiert. Also gerne etwas mehr Bargeld mitnehmen, zumindest so viel, dass es für den mit 15,90 Euro relativ teuren Plov und vielleicht noch ein paar Tassen Tee reicht.
Location: Oranienburger Straße 27
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 16:00-22:00 Uhr, So. 12:00-21:00 Uhr, Mo. 16:00-21:00 Uhr
Webseite: http://www.tadshikische-teestube.de/
7. Besh: Vegane, sattvische Küche aus Usbekistan in Kreuzberg
Das Besh unweit der Jannowitzbrücke ist ein relativ junges Restaurant, das gerade im Vergleich zu anderen usbekischen Lokalen eine Besonderheit aufweist: Es serviert seinen Gästen gesunde, vegane, genauer gesagt „sattvische“ Küche. Diese Sattva-Philosophie stammt ursprünglich aus Indien und verzichtet nicht nur auf Fleisch und Eier, sondern auch auf Zwiebeln und Knoblauch.

Vegan und usbekisch? Passt das überhaupt zusammen? Der Ansatz ist auf jeden Fall ungewöhnlich, wird aber von den Machern mit viel Liebe und Virtuosität umgesetzt. Um das eigentlich so fleisch- und fettlastige Essen, insbesondere den Plov, gesünder zu gestalten, greift man dabei auf andere Einflüsse zurück.


Bestellen kann man hier entweder Bowls oder Sandwiches. Die bestehen z. B. aus Falafel, Halloumi, Linsen-Köfte – und natürlich Plov. Dieser macht einen Großteil der Tellergerichte aus. Sie werden dann zusätzlich noch mit Salat und anderen Speisen nach Wahl bestückt. Individuell lassen sich dann Saucen von Sesam-Hummus bis Spicy hinzufügen. Dazu gibt es häufig einen kräftigen zentralasiatischen Schwarztee.

Und wie schmeckt das Ganze? Um einen authentischen Plov handelt es sich natürlich nicht. Dafür fehlen nun einmal bestimmte Aromen, insbesondere die Fettigkeit, die üblicherweise vom Lammfleisch kommt, und der Knoblauch. Dennoch ist das Essen ausgesprochen lecker und eine echte Alternative zur sonst so schweren usbekischen Küche. Insofern rangiert das Angebot dann doch etwas außerhalb des üblichen Plov-Vergleichs.

Wer die usbekische Küche gesund genießen möchte, ist im Besh aber absolut richtig, zumal sich die Betreiber spannende Fusion-Ideen einfallen haben lassen, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Das ist übrigens auch im zweiten Restaurant der Gruppe, dem Dervish, so, wo man sich auf außergewöhnliche Leckerbissen wie usbekische Manti, mit Soja-Protein gefüllte Auberginen und glutenfreie Lagman-Nudeln freuen kann.


Was Besh (und Dervish) außerdem so reizvoll macht, ist das Design. Im Besh zieren traditionelle Teppiche Decken und Wände. Die kupfernen Rohre, durch welche die Elektrik für die schicken Edison-Glühbirnen verläuft, bringen wiederum industriellen Charme mit. Dazwischen gibt es viel zu entdecken, von kräftig verzierten Teeservicen bis hin zu zentralasiatischen Dutar-Lauten.
Location: Brückenstraße 15
Öffnungszeiten: Mo.-Do. 11:30-24:00 Uhr, Fr.-Sa. 11:30-01:00 Uhr
Webseite: https://be5h.com/de/hauptseite/
Fazit: Wo gibt es den besten Plov in Berlin?
- Uzbek Eats
- Spießkönig
- Chaikhana Schönhauser Allee
- Taste of Samarkand
- Chaikhana Neukölln
- Tadschikische Teestube
- Besh (außerhalb des Rankings)
Meiner Meinung oder Vorliebe nach hat Uzbek Eats aktuell den besten oder authentischsten Plov. Kann natürlich daran liegen, dass ich Lamm ein wenig mehr mag als Rind. Für mich war diese leicht ölige Schicht auf dem Reis aber irgendwie perfekt und hat mich genau an das erinnert, was ich früher so verspeist habe. Ein anderes Angebot, das ziemlich nah herankam, war Plove Berlin von Sara Kasym Saikal, das 2026 aber leider schließen musste. Die einstige Besitzerin bietet aber immer noch den Catering- und Lieferservice Nomad with Plove an.
Durch den Wegfall des kirgisischen Plovs von Plove Berlin rückt für mich nun Spießkönig auf den 2. Platz, weil hier das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut stimmt. Lammfleisch für 10 Euro ist einfach unschlagbar. Auch wenn der Plov etwas russischer interpretiert ist, schmeckt er an den Streetfood-Buden am Ostbahnhof perfekt.
Danach kommen die Rindfleischvarianten, die ich als etwas trockener empfinde. Ziemlich lecker und vor allem reichlich war das Angebot bei Chaikhana Wichertstraße, der Restaurantvariante des gleichnamigen Bistros in Neukölln. Mit kleinen Details wie den mitgekochten Knoblauchzehen ist das Essen hier sehr usbekisch. Bei Taste of Samarkand, dem Side Project von Uzbek Eats, gab es eine ordentliche Portion, die insgesamt sehr lecker war, und wirklich knusprige Samsas. Die Atmosphäre und der gute Tee sind einen Besuch wert.
Danach kommt Chaikhana Neukölln, etwas niedriger, weil der Reis irgendwie nicht genau das war, was ich in Usbekistan bekommen würde. Trotzdem ein toller Plov, bei dem man sonst nicht klagen kann, und eine richtig gute Adresse in Neukölln. Die tadschikische Interpretation in der Teestube fällt dagegen sehr aus der Reihe und lohnt sich eher für die Atmosphäre. Tipp: Es gibt auch viele andere Sachen hier.
Besh (und Dervish) sind bei mir außerhalb des Rankings oder man könnte sagen, es ist der beste vegane Plov in Berlin, weil halt auch der einzige. Die sattvischen Betreiber haben etwas ganz Neues kreiert, was ebenfalls geschmacklich top ist. Ohne Fleisch und Knoblauch ist es schwer, mit dem Original zu vergleichen. Aber gerade was vegetarisches und veganes Essen angeht, mal eine spannende Alternative zu Falafel, Tofu & Co.
Lust auf Reisen nach Usbekistan bekommen? Hier geht's zum Artikel über die schönsten Metro-Stationen in Taschkent!