Veröffentlicht am 24. Juli 2026

Zentralasien Trampen Urbex

40 Jahre Krieg und Fremdbestimmung haben Afghanistan geprägt und sorgen bis heute für Probleme, Unterdrückung und Gewalt. Gerade die Spuren der folgenschweren sowjetischen Invasion in den 80er Jahren sind noch überall sichtbar. Wer in Afghanistan Urbex betreiben will, muss nicht lange suchen: Überall am Wegesrand liegt Militärschrott aus dem Afghanistankrieg herum. Als die Rote Armee im Frühjahr 1989 abzog, hinterließ sie jede Menge Panzer und BMPs, die bis heute als sichtbare Kriegsnarben unter der Sonne verrosten.

Sowjetischer Panzer mit Bemalung in Bamyan, Afghanistan
Ein kunstvoll bemalter sowjetischer Panzer in Bamyan - Markus Müller

Der Umgang der Afghanen mit dem alten Militärgerät ist meist wie folgt: Es wird entweder bunt bemalt, als Andenken auf Podeste gehoben oder auf riesigen Panzerfriedhöfen gesammelt. Damit sind die Panzer für das Land fast so etwas wie die Bunker für Albanien. Wer Afghanistan besucht, kommt an den Hinterlassenschaften also nicht vorbei. Sie sind ein eindrucksvolles Denkmal an einen der vielen Versuche, den Afghanen eine neue Ideologie von außen überzustülpen.

Abzug der letzten Kolonne der Rote Armee am 15. Februar 1989 über die Brücke der Freundschaft in die Sowjetunion
Letzte sowjetische Truppen verlassen Afghanistan am 15. Februar 1989 - A. Solomonov, RIA Novosti Archive - (CC BY-SA)

Der weiße BMP-1 bei den (zerstörten) Buddhas von Bamyan

Weiß und gold bemalter BMP Panzer der Roten Armee in Bamyan, Afghanistan
Umgang mit Kriegserinnerung: Sowjetische Panzer in Afghanistan werden zu Kunstwerken - Markus Müller

Der weiß bemalte BMP-1 direkt am großen von den Taliban gesprengten Buddha in Bamyan kann kaum übersehen werden. BMPs sind die gepanzerten sowjetischen Mannschaftsfahrzeuge, die ihrer Zeit bis zu 13 Soldaten transportieren sollten. Bei der zentralasiatischen Hitze saß die Besatzung auf ihren Patrouillefahrten aber lieber oben auf dem Dach. Die BMPs wurden damit zu einem leichten Angriffsziel für die Mujaheddin, die sie mit Sprengfallen oder amerikanischen Raketenwerfern attackierten. Entsprechend viele Wracks lassen sich am Wegesrand in Afghanistan finden.

Weiß bemalter Panzer mit goldener abmontierter Kette vor den Ruinen von Bamyan
Berühmter weißer BMP-Panzer der Roten Armee vor den Ruinen von Bamyan - Markus Müller

Hockend auf dem weißen BMP-Panzer der Sowjetunion in Bamyan, Afghanistan
Einst gefürchtetes Kriegsfahrzeug, heute Kunstobjekt - Markus Müller

Die schmerzvolle Erinnerung an den sowjetischen Krieg wird von den Afghanen meist dadurch verarbeitet, dass man die Hinterlassenschaften der Okkupanten kreativ bemalt. In strahlendem Weiß und mit einer über die Haube geworfenen goldenen Kette ist der Buddha-BMP von Bamyan sicherlich einer der eindrucksvollsten und am einfachsten zu findenden Panzer in Afghanistan.

Weißer BMP vor den gesprengten Statuen von Bamyan
Kriegshinterlassenschaften vor den gesprengten Buddha-Statuen von Bamyan - Markus Müller

Location: Peace Tank Bamyan

Fliegenpilzpanzer in Bamyan

Neben Museum und Kulturministervertretung in Bamyan lagert ein ganzer Haufen an historischem Militärgut aus der Sowjetzeit. Diese Panzer und BMPs wurden einst von den Mujaheddin erobert und als Trophäe ausgestellt.

Fliegenpilzpanzer in Bamyan
Sowjetischer Panzer im Fliegenpilzlook bei Bamyan in Afghanistan - Markus Müller

Close-up eines sowjetischen Panzers mit rot-weißer Bemalung in Bamyan, Afghanistan
Sowjetische Hinterlassenschaften in Bamyan - Markus Müller

Mittlerweile stehen sie jedoch eher auf einem Feld herum – und sind dennoch eine große Attraktion. Grund dafür ist vor allem der gepunktete Fliegenpilzpanzer, dessen Turm mit Schussrohr komplett in Rot und Weiß gestrichen ist. Perfekt also für Fotos von Urbex in Afghanistan.

Sowjetischer Panzer im Fliegenpilzdesign bei Bamyan, Afghanistan
Buntes Kriegsvermächtnis in Bamyan - Markus Müller

Im näheren Umfeld gibt es viele weitere BMPs und eine Schilka, also eine Art mobile Flakstation, die auch als Schützenpanzer benutzt wurde. Diese Gefährte liegen auf der Wiese verteilt herum, manche wurden am Wegesrand abgestellt.

Sowjetischer Panzer unbemalt in Bamyan, Afghanistan
Ehemaliger Panzer aus dem Russisch-Afghanischen Krieg - Markus Müller

Die Schilka, also die ZSU-23-4, ist eine kleine Besonderheit unter dem Militärschrott in Afghanistan. Bei meinen Erkundungen ist mir der Flakpanzer nur das eine Mal in Bamyan begegnet. Andererseits hatte ich auf dem Panzerfriedhof von Parwan, weil von der Lokalpolizei verfolgt, nicht zu viel Zeit, um alles gründlich zu scannen. Auch auf den Sammelplätzen in der Nähe von Kabul, Kandahar und Bagram sollte es noch einiges anderes als T-55 und BMPs geben. Die sind aber etwas besser bewacht.

Flakpanzer Schilka der sowjetischen Armee in Bamyan, Afghanistan
Verwaister sowjetischer Flakpanzer Schilka in Bamyan - Markus Müller

Location: Fliegenpilztank & andere

Panzerfriedhof in Parwan

Dieser Ort ist derzeit (vielleicht) etwas schwieriger zu erkunden. Es ist nicht ganz klar, ob ein Besuch unter den Taliban legal ist oder nicht. Das Gute ist: Dieser Panzerfriedhof mit hunderten sowjetischen Militärfahrzeugen befindet sich in der Region Parwan direkt an der Straße nach Kabul. Nahe der kleinen Ortschaft Jabal-os-Sarāj kann man theoretisch einfach auf das Feld laufen. Es gibt keine Absperrung und niemanden, der einen davon abhält. Zumindest, als ich dort war. Gerne hätte ich offiziell gefragt, jedoch war kein Ansprechpartner weit und breit zu sehen.

Militärfahrzeuge aus der Sowjetzeit auf dem Panzerfriedhof in Parwan, Afghanistan
Grenzwertiges Urbex in Afghanistan mit Taliban-Basis direkt gegenüber - Markus Müller

Verlassene sowjetische Panzer in Afghanistan
Hunderte zurückgelassene Sowjet-Panzer in Parwan, Afghanistan - Markus Müller

Dummerweise grenzt eine Taliban-Basis direkt an das Feld, weswegen man vorsichtig sein sollte, was man filmt. Am Ende wurde mir vom Wachturm nachgerufen, ein Zivilpolizist beruhigte die Soldaten aber. Dieser wiederum hatte mich schon vorher eine ganze Weile verfolgt.

Sowjetische Panzer in Parwan, Afghanistan
Nachkriegs-Urbex in Afghanistan - Markus Müller

Panzerfriedhof Parwan in Afghanistan
Panzerfriedhof Parwan in Afghanistan - Markus Müller

Beim Trampen zum Panzerfriedhof wollte der Polizist bereits meine Papiere sehen und mahnte mich dann an, dass dieser Ort nicht zugänglich sei. Ich wollte aber selbst bei den Taliban nachfragen, da ich der Person nicht einmal abnahm, für die Polizei zu arbeiten. Widerwillig zeigte er mir dann seinen Ausweis, machte Notizen und verschwand.

Verlassener Panzer der Roten Armee in Parwan, Afghanistan
Sowjetische Panzer in Afghanistan - Markus Müller

Als die Sache mit dem Zivilpolizisten geklärt war, fuhr ich trotzdem zu den sowjetischen Tanks. Dort tauchte er dann zwischen dem rostenden Metall entlangspazierend wieder auf, schweigend, mich beobachtend. Zum Abschluss schoss er noch ein Bild von mir, wie ich winkend in ein Auto sprang und davon trampte. Sicherheitshalber lud ich noch während der Fahrt Bilder und Videos in die Cloud und löschte vor Erreichen des nächsten Taliban-Checkpoints bei Kabul alles von meinen Geräten. Überprüft wurde am Ende nichts und die Fahrer luden mich noch ausgiebig zum Essen ein.

Location: Parwan Tank Cemetery

T-55 an der Maripah-Route zwischen Dschalalabad und Kabul

Einer der bekanntesten sowjetischen Panzer in Afghanistan befindet sich so ziemlich direkt an der Passstraße, die von Sarobi hinunter in die Maripah-Schlucht und weiter nach Kabul führt. Die Strecke mit ihren vielen Windungen war eine wichtige Versorgungsroute. De facto hatte die Rote Armee immer nur die Kontrolle über die asphaltierten Wege. Von den Bergmassiven des Hindukuschs wurden sie jedoch beschossen, weswegen an dieser von Felswänden eingerahmten Straße besonders viele verlassene Panzer zu finden sind.

Zerstörter sowjetischer Panzer am Straßenrand nahe Maripah
Beliebte Attraktion auf der Maripah-Route zwischen Dschalalabad und Kabul - Todd Huffman - (CC BY 2.0)

Auf etwa halbem Weg zwischen Dschalalabad und Kabul entdeckt man den mittlerweile bunt bemalten T-55 auf einem Podest direkt an einer Einbuchtung am Straßenrand. Selbst unter Einheimischen ist der Tank zu einer beliebten Attraktion geworden, vor allem wegen seiner fleckenhaften Aufmachung.

Um ihn besuchen zu können, muss man die Fahrt aber etwas taktisch planen. Da ich per Anhalter in Afghanistan unterwegs war, hatte ich keinen genauen Einfluss auf die Route und endete auf dem südlichen Highway. Dabei ist Maripah auch sonst wesentlich ansehnlicher, weil die Schluchten und Serpentinen an sich spektakulär ausfallen. Also für den Panzer und eine atemberaubende Natur die nördliche Autobahn nutzen!

Die genaue Location ist hier: T-55 Dschalalabad-Kabul-Route

Kabul Tank Graveyard

Dieser Ort war mal einer der wichtigsten Panzerfriedhöfe von Afghanistan in der Nähe von Kabul. Heute kommt man aber nicht mehr so einfach rein. Das Gebiet in der Nähe des Internationalen Flughafens ist militärisch abgesperrt. Eventuell könnte man noch fragen. Ich hatte hier jedenfalls kein Glück.

Laut Berichten und mit Blick auf die Satellitenbilder liegt hier aber einiges rum. Gerüchte sagen, dass die Taliban den Militärschrott endlich zu Geld machen wollen. Das würde die zunehmenden Zugangsbeschränkungen erklären.

Location: Kabul Tank Graveyard

Kandahar Tank Cemetery

Der Panzerfriedhof südlich des Flughafens von Kandahar ist vor einigen Jahren durch die Presse gegangen. Die Bilder wurden für die Behauptung genutzt, dass die Taliban Hunderte von amerikanischen Militärfahrzeugen übernommen hätten. In Wirklichkeit waren auf den Fotos aber alte sowjetische Tanks zu sehen. Ob man sich die heute wirklich anschauen kann, ist etwas fraglich.

Satellitenbild des Panzerfriedhofs Kandahar von Google Maps
Kandahar Panzerfriedhof - sehr wahrscheinlich gesperrt - Google Maps

Das Gebiet scheint militärisch genutzt zu werden und Kandahar ist als Zentrale der Taliban ohnehin ein schwieriges Pflaster. Jedoch wie immer: Fragen schadet nicht und selbst die aktuellen Machthaber sind manchmal erstaunlich zugänglich. Als ich ein verlassenes Kino in Kabul besichtigen wurde, hat man mich z. B. eine halbe Ewigkeit zum Tee im dort ansässigen Finanzministerium eingeladen. Am Ende gab es zwar ein Nein, das war aber insgesamt freundlich. Und schlussendlich konnte ich sogar die Message droppen, dass Frauenrechte der Grund sind, warum niemand im Westen etwas mit den Taliban zu tun haben will.

Location: Kandahar Tank Cemetery

Rund um Mazar-e Sharif

Im Norden von Afghanistan gelegen war Mazar-e Scharif die wichtigste Basis der Sowjetarmee, vor allem, weil die Grenze zu Termiz in Usbekistan nicht weit weg lag. Entlang der Versorgungsroute wurden beim Rückzug auch zahlreiche Panzer und BMPs hinterlassen. Selbst in den Marmal-Bergen und von der Balkh-Provinz weiter ins Zentrum gefahren kann man die verlassenen Gefährte am Straßenrand sehen.

Sowjetisches Gebäude im Norden von Afghanistan
Sowjetisches Bauwerk, sowjetischer Mülleimer in der Balkh-Provinz - Markus Müller

Eine weitere Besonderheit sind die immobilen Vermächtnisse der Sowjetunion in Balkh. Genau, im nördlichen Teil von Balkh gibt es tatsächlich noch ein paar Gebäude und Monumente dieser Epoche. Insbesondere bin ich in der Ortschaft Kod-e Barq fündig geworden, so in Form eines alten Kulturhauses, das heute als Privatschule fungiert.

Sowjetisches Weltkriegsdenkmal in Balkh, Afghanistan
Sowjetisches Ehrenmal an den Großen Vaterländischen Krieg in Afghanistan - Markus Müller

Entdeckt habe ich u. a. auch ein ehemaliges Monument an den Großen Vaterländischen Krieg gegen den Faschismus, den Klassiker also, der in keiner sowjetischen Stadt und somit auch in keinem, wenn auch nur erträumten, sozialistischen Afghanistan fehlen durfte. Neben dem Obelisken sieht man hier noch das Loch, aus dem einst die Ewige Flamme in Erinnerung an die gefallenen Soldaten loderte.

Ewige Flamme mit sowjetischem Stern im Norden von Afghanistan
Frühere Ewige Flamme am sowjetischen Weltkriegsdenkmal in Afghanistan - Markus Müller

Salang-Tunnel

Der Salang-Tunnel soll der Ort der vermutlich größten Verkehrskatastrophe aller Zeiten gewesen sein. Im Jahr 1983 geriet ein Laster in Brand und sorgte für eine Kettenreaktion. Die Konvois, bestehend aus hunderten Militärfahrzeugen, wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Nach westlichen Schätzungen starben dabei bis zu 2.700 Soldaten durch Flammen und Rauch.

Eingang zum Salang-Tunnel von Norden
Eingang zum Salang-Tunnel unter Talibanherrschaft - Markus Müller

Auch heute ist der Tunnel ein Nadelöhr zwischen Kabul und dem Norden. Im Jahr 2025 war er teilweise gesperrt und Fahrzeuge mussten umständliche Ausweichrouten nehmen. Überreste der sowjetischen Besatzung habe ich selbst nicht gesehen. Wer sich aber etwas Zeit lässt, findet sie bestimmt.

Location: Salang-Tunnel

Ghazni-Panzerallee

Die Stadt Ghazni liegt etwa 150 Kilometer südlich von Kabul an der Ringstraße und gilt als ein Mekka der persischen Literatur. Wo im Mittelalter epische Werke verfasst wurden, herrschte aber später auch immer wieder Krieg. Die britische Schlacht um Ghazni ging schon 1839 in die Geschichte ein. Später bauten die Sowjets und die Amerikaner Basen hier auf.

An die Wehrhaftigkeit der Afghanen gegen fremde Mächte erinnert in Ghazni eine ganze Allee, an der ca. 80 sowjetische Panzer auf Podesten ausgestellt sind. Dieser Boulevard der rostigen UdSSR-Hinterlassenschaften ist eine ziemlich komplette Sammlung mit eroberten T-55, BMP-1, ZSU-23-4 (Schilka) und sogar einem Hubschrauberwrack. Sie alle waren in der damals heiß umkämpften Region Ghazni im Einsatz, wo die Mujaheddin mit Guerilla-Taktiken gegen die Rote Armee besonders erfolgreich waren.

Location: Ghazni Tank Alley

Bilder: https://travel2unlimited.com/afghanistan-ghazni-tank-graveyard-alley/