Wer nach einer langen Reise von Torkham oder Mazar-e Sharif nach Kabul kommt, will sich erst einmal den Bauch vollschlagen. Das Viertel Shar-e Naw ist der beste Ort dafür. Mitten im Zentrum und in der Nähe aller wichtigen Ministerien und diplomatischen Einrichtungen gelegen, bietet diese Gegend am Abend viele Optionen. Tagsüber zieht es wiederum viele zum Basar rund um die Nadir-Pashton-Brücke. Dort steht in erster Linie Streetfood auf der Speisekarte. Das ist zwar nicht 100 % sauber, wer einen gefestigten Magen hat, kann sich aber an die Gerichte heranwagen. Abgesehen davon sollte man wirklich Fleisch mögen. Vegetarische Alternativen gibt es nur wenige, von veganen erst zu schweigen.

Hier sind meine 9 Top-Gerichte, die man in Kabul essen sollte – mit Restaurant-Tipps:
1. Qabuli Palao
Qabuli Palao ist das Nationalgericht und im Wesentlichen eine Mischung aus fluffigem Basmatireis, Fleisch, Rosinen, Kichererbsen, Mandeln und Karotten. Meist kommt Lamm in die Pfanne und wird lange unter dem Reis gegart. Bisweilen werden auch andere Fleischsorten verwendet, je nachdem, was gerade verfügbar ist. Finden kann man das Essen dabei fast in jedem Restaurant, an den Raststätten auf dem Weg nach Kabul ebenso wie in Shar-e Naw.

Die Top-Adresse für Qabuli Palao in Kabul, das wurde mir von fast allen Menschen in der Stadt gesagt, ist Barg Continental direkt gegenüber des Shar-e Naw Parks. Hier wird man herzlich in Empfang genommen, an den Platz geführt und beraten. Auf den Tellern landen riesige Portionen, aus denen man die einzelnen Gewürze herausschmecken kann. Der eine Löffel schmeckt dann manchmal einen Tick anders als der nächste.

Viele Besucher empfehlen unter den Restaurants in Kabul außerdem das Shaam Kabul weiter westlich an der Ahmad Zaher Road. Die Qualität des Qabuli Palao ist vergleichbar zum Barg und das festliche Ambiente mit Sitzflächen auf dem Boden macht diesen Ort zu einem echten Afghanistan-Erlebnis.

Ein kleiner Tipp meinerseits: Wer den besten Qabuli Palao in Afghanistan probieren will, sollte ehrlich gesagt nach Mazar-e Sharif fahren. Die Stadt liegt nahe an der usbekischen Grenze und das Essen ähnelt damit deutlich mehr der hohen Kunst des Plovs im Nachbarland.

Unter allen Palao-/Pulao-/Pilaf-/Plov-/Polov-Gerichten Zentralasiens gehört die usbekische Variante meiner Meinung nach zu den besten. Einen halbwegs authentischen Bissen kann man sich sogar in Deutschland in den besten usbekischen Plov-Restaurants von Berlin oder für afghanische Aromen im Dong Xuan Center finden.
Webseite Barg Continental: https://www.bargcontinental.com/
Webseite Shaam: https://www.shaamkabul.com/
2. Kleine Kebabspieße (Lamm oder Ziege/Kabob)

Die kleinen Mini-Kebabs sind, so man Fleisch mag, ein toller Snack. Man kann sie sich im Vorbeigehen schnappen, setzt sich aber meist irgendwohin, bekommt dazu Tee serviert und konsumiert die kleinen Happen mit frischem Naan-Brot.

Gegrillt werden die Mini-Spieße aus Lamm- oder Ziegenfleisch, nachdem sie vorher kräftig gewürzt wurden, über dem offenen Holzkohlefeuer. Auf manchen Straßenzügen wie auf der Malek Fahd Ave Street westlich des Shar-e Naw Parks dampft es und zischt es – man kann das Essen hier gar nicht verpassen. Ebenso findet man gute Optionen auf der Sulh Road, die Shirpoor-Kreisverkehr nach Shar-e Naw führt.

Was ich einigermaßen überraschend, ja krass fand, dass man sich die Kebabs in Afghanistan schon am frühen Morgen gönnt. Auf meinen Fahrten in Shared Taxis und per Anhalter nach Kabul haben wir öfters an Gasthäusern angehalten und die schwere Kost wanderte bereits um 8 oder 9 Uhr in den Magen.
3. Chopan Kebab (Lammkoteletts)
Chopan Kebab lässt sich in etwa mit Schäferkebab aus dem Dari und Paschto übersetzen. Es ist meines Erachtens wirklich eines der besten Essen in Afghanistan, weil es frischer kaum zubereitet werden kann. In den Restaurants in Kabul sitzt der Besitzer dabei meist auf einem erhöhten Stuhl direkt vor einem Holzstumpf, auf dem das Fleisch zerteilt wird. Zum Bestellen geht man zu ihm – er ist der Betreiber und Fleischer zugleich.

In Kabul habe ich eine ganze Reihe solcher Restaurants auf der Malek Fahd Ave Street am Shar-e Naw gefunden und mich total in den Laden von Raees Khan verliebt. Da der Besitzer Englisch spricht, ist es sehr leicht, zu kommunizieren. Er ist redselig, berät einen gut und schneidet die besten Lammkoteletts der Welt zusammen.

Man sagt einfach, wie viel Gramm man haben möchte. Er zerteilt die Stücke halb mit seinem Beil in der Luft und wirft sie dann schwungvoll in eine Metallschüssel. Diese wird an die Grillmeister des Raees Khan Super Shinwary weitergereicht, die sie würzen und lange auf dem offenen Holzkohlefeuer am Mangal garen. Alternativ kann man sich auch andere Cuts und Fleischsorten aussuchen – Chopan-Kebab ist in diesem Restaurant in Kabul aber einfach die beste Wahl. Dazu gibt es dann meist den etwas einfacheren Beilagenreis Chulao und ordentlich Naan.

Die Zubereitung dauert ein wenig, kein Wunder, wenn das Fleisch erst einmal geschnitten werden muss. In der Zwischenzeit bestellt man sich also am besten eine Kanne grünen Tee, schaut den Vorkommnissen im Café zu oder kommt mit irgendeiner Männergruppe ins Gespräch (Frauen, welch Wunder, wird man hier nicht entdecken – außer, man findet den Familienbereich).
Was dann an den Tisch kommt, sind butterweiche Lammkoteletts, die perfekt mit der Joghurtsauce und dem Naan harmonieren. Davon gibt es übrigens auch ungefragt immer Nachschlag.
4. Sajji – gepfähltes Huhn, gegrillt
Auf den Straßen von Kabul wird man ein Phänomen sehr häufig sehen: Man spaziert gerade in Shar-e Naw, aber auch in anderen Vierteln, an gepfählten Hühnern vorbei. Die mit Safran etwas gelblich marinierten Tiere werden auf dicken Holzstäben übereinander aufgespießt und dann rund um eine Feuerstelle in den Boden gerammt – okay, so dramatisch dann doch nicht. In die dafür vorgesehenen Öffnungen an der Feuertonne platziert.

Die Glut gart die Sajji-Hühner ganz langsam, bis sie dann meisterlich zerteilt und aufgeschnitten auf dem Teller landen. Die Haut ist durch das zusätzliche Auftragen von Lammfett nach einer Weile knusprig, wohingegen das Fleisch perfekt zart ist. Wenn man in der Gaststätte eine Portion bestellt, gibt es üblicherweise noch etwas Gemüse, Beilagenreis, Sauce und Naan dazu – meiner Meinung nach fast zu viel des Guten. Ich musste die Reste mit ins Hotel nehmen.

Ich habe Sajji ein paar Mal in Kabul ausprobiert, aber das vermutlich Kabul Bites genannte Restaurant hat es mir am meisten angetan. Unter dem Namen ist es zumindest auf Google Maps verzeichnet. Einfach die Location finden und sich an den gepfählten Hühnern orientieren.

5. Bolani-Pfannkuchen
Bolani ist schlichtes Street Food, aber perfekt, um sich zwischendurch den Magen etwas zu füllen. Es handelt sich um ein etwas dünneres Fladenbrot, das eher Crepes oder türkischen Gözleme ähnelt. Diese Teigfladen werden relativ schnell auf einer heißen Platte oder in der Pfanne ausgebacken, gefüllt und zusammengeklappt.
Hier könnten Vegetarier übrigens einige der wenigen Optionen haben, um in Afghanistan fleischlos zu essen. Typische Füllungen von Bolanis sind nämlich Kartoffeln, Lauch und Linsen, also nicht zwingend Hack, auch wenn das ebenfalls angeboten wird.

Der Knackpunkt ist das Fett. In den meisten Fällen wird tatsächlich Pflanzenöl verwendet. Afghanen tendieren aber häufig dazu, ihre Gerichte mit etwas Fett aus den Schafsschwänzen zu verfeinern.
Bolani kann man in Kabul überall essen. Jeder Basar ist ein guter Anlaufpunkt, ebenso wie geschäftige Straßen. Ich hab meinen afghanischen Pfannkuchen z. B. einfach irgendwo auf der Suche nach einer SIM-Karte auf der Zargona Road entdeckt.
6. Chapli Kebab (Flachkebab - oder afghanische Bouletten)
Chapli Kebab ist ein sehr paschtunisches Gericht, also eher in Jalalabad oder auf der anderen Seite der Grenze im pakistanischen Peshawar verbreitet. Da mit den Taliban ziemlich viele Paschtunen nach Kabul gekommen sind, ist dieses Essen auch in der Hauptstadt sehr verbreitet.

Um es einfach zu beschreiben: Es handelt sich um gehacktes Hammel- oder Rindfleisch, das stark mit Chili, Koriander, Zwiebeln, Kreuzkümmel und Ingwer gewürzt und zu einem eher ovalen, aber flachen Fladen (Chapli heißt flach) gepresst wird. Mit einer langen Schaufel wird es dann in das Öl einer angeschrägten großen Pfanne geschoben und dort solange frittiert, bis es vor Fett trieft. Das beigefügte Backpulver und etwas Zitronensaft sorgen für eine lockere Konsistenz.

Insgesamt ist Chapli Kebab in der frittierten Variante nicht unbedingt mein Favorit, noch ist er wirklich füllend. Man bräuchte schon zwei Portionen zu Brot und Beilagen, um richtig voll zu werden. Etwas auffällig ist, dass sich die meisten Peshawar-Style Chapli-Restaurants eher in Kabuls Vorort Karte Naow befinden, vermutlich, weil dort mehr Paschtunen wohnen. Am Ende kriegt man es aber auch auf dem Basar und auf belebten Straßen wie der Ahmad Zaher Road.
7. Mantu und Aushak – Teigtaschen aus Afghanistan
Wie in vielen asiatischen Länder gibt es auch in Afghanistan Teigtaschen zu essen. Der Klassiker sind die Mantu – ja, der Name ähnelt sehr den zentralasiatischen und türkischen Manty –, die jedoch nicht gekocht, sondern gedämpft werden.

In dem dünnen Teig ist meist eine Mischung aus Hackfleisch auf Lamm- oder Rinderbasis und Zwiebeln eingewickelt. Serviert wird das ganze mit Tomatendips, Joghurtsauce, getrockneter Minze und etwas Koriander. Qoroot, eine Art Buttermilch, ist ebenfalls als Beilage beliebt.
In Kabul sehr verbreitet ist eine Sonderform der Mantu, die Aushak-Teigtaschen. Sie werden vor allem mit Lauch gefüllt und dann auf einem großen Teller mit Tomaten, Bohnen und etwas Minz-Knoblauch-Qoroot serviert. Oben drauf kommt dann häufig noch eine Portion gebratenes Hackfleisch, das man aber als Vegetarier theoretisch auch weglassen könnte.

Wirklich gute Mantu gibt es ganz klassisch im Barg Continental, das ich schon für Qabuli Palao empfohlen habe. Eine andere Option ist das Kaboora, das aber schon eher zur Luxuskategorie gehört.
8. Shiryakh – afghanische Eiscreme
Shiryakh heißt übersetzt nichts anderes als kalte Milch und wird genau aus dieser Zutat vor den Augen der Kunden frisch zubereitet. Kombiniert mit Sahne, Kardamom, Rosenwasser und Safran bekommt es seine typisch orientalische Note. Zu guter Letzt kommen oft ein paar gehackte Pistazien darauf, um dem Dessert das i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Das noch Markantere ist vielleicht die Präsentation. Schon die Zubereitung in einem Metalltopf auf Eis wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Dann wird die cremige Substanz zu einem spitzen Kegel auf dem Teller angerichtet, ein Kegel, der schon fast obszön hoch in den Himmel ragt.
Und so sitzt man dann zusammen mit anderen Leckermäulern in einem der zahlreichen Eiscafés in Kabul. Meist handelt es sich bei den Gästen um bärtige, männlich wirkende Männer, die wohl aber auch eine Schwäche für Süßes haben.
Meine Top-Adresse befindet sich natürlich in Shar-e Naw und nicht weit vom Sajji-Hühner-Stand entfernt. Tolo Icecream ist einfach das beste Café für Shiryakh in Kabul, weil netter Besitzer, beste Performance und exzellenter Geschmack.
9. Fruchtsaft pur – Kabuls beste Saftläden
Man erkennt sie an den Unmengen an Obst, die an den Fenstern zur Auslage vorgezeigt werden. Manchmal sind die Früchte echt, manchmal fake. Aber in die Endprodukte kommt natürlich immer nur die beste Qualität.

So richtige Saftläden sind in Kabul ein Grund, auch abends nochmal rauszugehen und sich eine ordentliche Portion Vitamine zu gönnen. Das Gute ist, dass hier kaum mit Milch oder Wasser gemischt wird. Meist gibt es Saft aus der puren Frucht, von Mango über Banane bis Guave und Erdbeere, von Wassermelone und Orange bis hin zu Traube. Bisweilen wird gemischt und getoppt und wild zusammengewürfelt.

Restaurants mit frischen Smoothies gibt es überall, meine allerliebsten Saftläden in Kabul sind aber das Taj Mahal – seines Zeichens auch ein Palao- und Grilllokal – sowie der kleine Shop an der Ecke Angara Ave und Sulh Road geworden.